Deutsche Gesellschaft für
Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie
Entwurf von Leitlinien
Leitlinien
sind Vorgaben für den behandelnden Arzt, dienen aber auch zur Information des interessierten Laien. Sie sind systematisch entwickelte Empfehlungen für ärztliches Handeln in charakteristischen Situationen. Leitlinien sollten eingehalten werden. Eine Abweichung ist jedoch möglich, wenn Gründe hierfür vorliegen. Sie schildern ausschließlich ärztlich - wissenschaftliche und keine wirtschaftlichen Aspekte. Die Leitlinien sind für Ärzte unverbindlich und haben weder haftungsbegründende noch haftungsbefreiende Wirkung.
Im Gegensatz dazu sind Richtlinien Regelungen des Handelns oder Unterlassens, die von einer rechtlich legitimierten Institution konsentiert, schriftlich fixiert und veröffentlicht werden, für den Rechtsraum dieser Institution verbindlich sind und deren Nichtbeachtung definierte Sanktionen nach sich zieht. Daher hat jede Institution, die Richtlinien erläßt, auch die haftungsrechtliche Verantwortung für alle Folgen zu tragen, die sich aus der Anwendung und Einhaltung solcher Richtlinien ergeben.
Anders als die verbindlichen Richtlinien stellen Leitlinien Empfehlungen dar. Sie geben also Hilfestellung bei der Entscheidung, was zu tun ist, nicht jedoch, wie dies auszuführen ist, und sind primär kein Instrument der Qualitätssicherung. Leitlinien geben den zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung gültigen Stand des medizinischen Wissens wider und bedürfen somit einer kontinuierlichen Anpassung an die Entwicklung des medizinischen Fortschritts.
Inhaltsverzeichnis
1 Leitlinien zur chirurgischen Therapie der koronaren Herzkrankheit
*
1.1 Koronarsklerose
*
1.2 Akuter Myokardinfarkt mit Ventrikelseptumruptur
*
1.3 Linksventrikuläres Aneurysma
*
2 Leitlinien zur chirurgischen Therapie von Herzklappenerkrankungen
*
2.1 Aortenklappe
*
2.2 Mitralklappe
*
2.3 Trikuspidalklappe
*
2.4 Pulmonalklappe
*4
3 Leitlinien zur chirurgischen Therapie
von angeborenen Herzfehlern
*5
3.1 Obstruktion des rechtsventrikulären Ausflußtraktes
*5
3.1.1 Pulmonalstenose *5
3.1.2 Fallotsche Tetralogie (siehe 3.4.1) *7
3.1.3 Double outlet right ventricle (siehe 3.4.2) *7
3.1.4 Pulmonalatresie (siehe 3.4.3) *7
3.2 Obstruktionen des linken Herzens *7
3.2.1 Aortenstenose *7
3.2.2 Aortenisthmusstenose *0
3.2.3 Arterielle Gefäßringe und pulmonale Gefäßschlingen *2
3.2.4 Unterbrochener Aortenbogen *5
3.2.5 hypoplastisches Linksherzsyndrom, Mitralatresie *7
3.3 Kongenitale Herz- und Gefäßfehler mit Links-Rechts-Shunt *39
3.3.1 Vorhofseptumdefekt *39
3.3.2 Ventrikelseptumdefekt *1
3.3.3 Atrioventrikulärer Septumdefekt (AVSD) *3
3.3.4 Persistierender Ductus arteriosus Botalli *5
3.3.5 Truncus arteriosus *7
3.3.6 Univentrikuläre atrioventrikuläre Konnektion (Double inlet ventricle) *49
3.4 Kongenitale Herzfehler mit primärer Zyanose *1
3.4.1 Fallotsche Tetralogie *1
3.4.2 Double Outlet Right Ventricle *3
3.4.3 Pulmonalatresie *5
3.4.4 Transposition der Großen Arterien (TGA) *58
3.4.5 Totale Lungenvenenfehlmündung *0
3.5 Erkrankungen des Koronararteriellen Systems *62
3.5.1 Bland White Garland Syndrom (BWG) *62
4 Leitlinien zur chirurgischen Therapie
von Aortenaneurysmen
*3
5 Leitlinien zur Herztransplantation
*
6 Leitlinien zur chirurgischen Therapie von Herztumoren
*1
7 Leitlinien zur chirurgischen Therapie bei Endokarditis
*5
8 Leitlinien zur chirurgischen Therapie bei Perikarditis
*79
9 Leitlinien zur Thromboseprophylaxe
*2
Leitlinien zur chirurgischen Therapie der koronaren Herzkrankheit
- Koronarsklerose
Definition/Ätiologie:
Die Atherosklerose ist ein multifaktorielles Krankheitsbild, welches zur Degeneration und Stenosierung des Koronargefäßes führt. Haupt-Risikofaktoren sind arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, Nikotinabusus und Fettstoffwechselstörung. Drei pathophysiologische Mechanismen sind von besonderer Bedeutung:
- Proliferation der intimalen glatten Muskelzellen zusammen mit einer variablen Anzahl von eingewanderten Makrophagen,
- Bildung von Bindegewebe (Kollagen, elastische Fasern, Proteoglykane) durch die proliferierten glatten Muskelzellen,
- Ansammlung von Fetten in Form von Cholesterinestern und freiem Cholesterin innerhalb der Zellen wie auch im umgebenden Bindegewebe.
.Die hieraus resultierende Einschränkung der Endothelfunktion führt sekundär zu Störungen der Gefäßfunktion mit erhöhtem Thromboserisiko, zur Bildung von Plaques mit der Gefahr der Plaqueruptur und Gefäßverlegung.
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Belastungs-EKG, Streß-Echokardiogramm
- Koronarangiographie (sog. "Goldstandard"); ggf. Myokard-Szintigramm, PET
Diagnosen:
·
Koronarsklerose (1-, 2-, 3-Gefäßerkrankung, Hauptstammstenosen)
·
chronische ischämische Herzerkrankung
chirurgische Therapiemöglichkeiten:
- aorto-koronare Bypassoperation (unter Verwendung der extrakorporalen Zirkulation); hierbei:
einfache oder mehrfache Gefäßumgehung mit den verschiedensten Kombinationen freier Venen und / oder freier bzw. gestielter Arterientransplantate
- autologe Venen (V. saphena magna, V. saphena parva)
- arterielle Grafts (A. thoracica interna, A. radialis, A. gastroepiploica)
- evtl. andere Umgehungsgefäße)
- in ausgewählten Fällen mit spezieller Indikation: aorto-koronare Bypassoperation in minimal invasiver Technik; hierbei:
einfache oder mehrfache Gefäßumgehung unter Verwendung der A. thoracica interna und / oder Venentransplantate
- Koronarostiumplastik
- transmyokardiale Laserrevaskularisation (TMLR)
Indikationen:
- stabile Angina pectoris bzw. instabile Angina pectoris mit nachweisbarer Koronarstenose
- belastungsbedingtes kongestives Herzversagen (falls Ischämie nachweisbar)
- akuter Koronararterienverschluß oder Dissektion nach Katheterisierung oder Angioplastie
- ischämische Kardiomyopathie vor anderen größeren chirurgischen Eingriffen (falls Ischämie nachweisbar)
- ventrikuläre Herzrhythmusstörungen ischämischer Genese
- Stenose des linken Hauptstammes
³ 50 % inkl. Ostiumstenose, Stenose von drei größeren Herzkranzgefäßen, Stenose von zwei größeren Koronargefäßen, einschließlich des proximalen RIVA > 70 %
mindestens 50-%ige Stenose eines Herzkranzgefäßes bei Herzoperationen anderer Indikation (Klappenersatz, Resektion eines linksventrikulären Aneurysmas, Rhythmuschirurgie, postinfarzieller VSD)
Aneurysma einer Koronararterie
intraoperative Koronarokklusion oder Embolisation
akute Aortendissektion unter Einbeziehung bzw. Okklusion von Koronarostien
ggf. Ventrikelseptumdefekt oder Herzruptur bei Myokardinfarkt
ggf. Aneurysma des linken Ventrikels mit/ohne Angina-pectoris-Symptomatik
ggf. ischämiebedingte Mitralklappeninsuffizienz
ggf. ventrikuläre Tachykardie oder Kammerflimmern
(ohne linksventrikuläres Aneurysma) (falls Ischämie nachweisbar);
u.U. zusätzlich chirurgische Therapie der Rhythmusstörungen
relative Kontraindikationen:
- Operationsrisiko höher als der zu erwartende Nutzen
- chronische oder maligne Erkrankungen, die einen Gewinn des Patienten durch die Revaskularisation unwahrscheinlich erscheinen lassen
Maßnahmen vor dem Eingriff:
- Untersuchung der möglichen Bypass-Grafts (Venen, Arteria thoracica interna, Arteria radialis) mittels Dopplersonographie, invasive Untersuchung nur bei Zweifel an der Verwendbarkeit
- Untersuchung der hirnversorgenden Blutgefäße;
ggf. Computertomographie des Schädels bei vorbestehendem Apoplex
- Beseitigung von temporären Kontraindikationen, infektiösen Herden und / oder anderen therapierbaren Begleiterkrankungen (entsprechend der Dringlichkeit)
- Risikofaktoren-Modifikation und Medikamenten-Optimierung: Fettstoffwechsel-Einstellung, körperliche Aktivität, Gewichtskontrolle, Antikoagulation, Blutdruckkontrolle,
b -Blockergebrauch, ACE-Hemmer, Östrogengebrauch (nach Menopause)
Absetzen von Thrombozytenaggregationshemmern und Antikoagulation mit Heparin
Routinediagnostik: Röntgen-Thorax, Routinelabor, Lungenfunktion
Maßnahmen während des Eingriffs:
- Überprüfung der Verwendbarkeit des Conduits
- Überprüfung der Bypass-Fähigkeit des Koronargefäßes
- Überprüfung der Graft-Funktion (z.B. Flußmessung)
- Perioperative Antibiotika-Prophylaxe (beginnend vor Operationsbeginn bis zum ersten postoperativen Tag in Intervallen von acht Stunden), z. B. mit Cefazolin oder Cefuroxim
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Bestimmmung kardialer Markerproteine (CK, CK-MB, Troponin T, Troponin I)
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
30-Tages-(perioperative) Ergebnisse:
- Letalität: 2 bis 20 % (in Abhängigkeit von Alter des Patienten, Begleit-erkrankungen, Koronaranatomie, linksventrikulärer Funktion, Re-OP-Status, Dringlichkeit)
Nachbehandlung:
- medikamentöse Therapie mit Antikoagulantien oder Thrombozytenaggregations-hemmern
- Entlassung innerhalb von etwa 2 Wochen bei unkompliziertem Verlauf;
verlängerter Krankenhausaufenthalt bei prä- und postoperativen Komplikationen
- Anschlußheilbehandlung, Rehabilitationsmaßnahmen
Akuter Myokardinfarkt mit Ventrikelseptumruptur
Definition/Ätiologie:
Fast alle Myokardinfarkte resultieren aus der stenosierenden oder okkludierenden koronaren Herzkrankheit. Wird eine kritische Schwelle der Einengung durch Plaques bzw. thrombotische Auflagerungen überschritten, so führt dies zu einer Schädigung des Herzmuskels, aus der im weiteren Verlauf ein irreversibler Zelluntergang resultiert. Lokalisation und Größe des Myokardinfarktes hängen von verschiedenen Faktoren ab:
- Lokalisation und Ausmaß der Koronarveränderungen
- Größe des vom betroffenen Gefäß versorgten Myokardareals
- Sauerstoffbedarf des schlecht perfundierten Myokards
- Vorhandensein von Kollateralen
- Vorhandensein (Ausmaß, Lokalisation) von Koronarspasmen
- Anwesenheit von Gewebsfaktoren, die den nekrotisierenden Prozeß modifizieren.
Grundsätzlich sind zwei wesentliche Infarkttypen zu unterscheiden:
- der transmurale Infarkt, der die gesamte Dicke der Ventrikelwand betrifft sowie der
- nichttransmurale Infarkt, der sich auf das Subendokard beschränkt.
Möglichkeiten der Diagnosestellung des Infarkt-VSD:
- klinisch: akute kardiale Dekompensation; zusätzlich neues systolisches Herzgeräusch
- erhöhte
Sauerstoffsättigung im Rechtsherzkatheter
- Nachweis eines Links-Rechts-Shunts auf Ventrikelebene durch Doppler-Echokardiographie oder durch erhöhte Sauerstoffsättigung im Rechtsherzkatheter
- Linksherzkatheter mit Koronarangiographie (obligat)
Diagnosen:
- ·
postinfarzieller Ventrikelseptumdefekt
- ·
Ventrikelseptumruptur bei Infarkt
chirurgische Therapiemöglichkeiten:
- Verschluß der Post-Infarkt-Ventrikelseptumruptur
- evtl. zusätzlich Koronarrevaskularisierung
Indikationen:
- Nachweis eines kreislaufwirksamen Links-Rechts-Shunts auf Ventrikelebene nach Myokardinfarkt
- Hämodynamische Instabilität trotz optimierter Herz-Kreislauf-Therapie
relative Kontraindikation:
- Operationsrisiko höher als der zu erwartende Nutzen
- Dekompensation, die durch Implantation einer IABP behandelt werden kann (Operation nach Narbenbildung im Ventrikelseptum, d.h. nach etwa vier bis sechs Wochen)
Maßnahmen vor dem Eingriff:
- Koronarangiogramm
- Echokardiographie und Echo-Doppler-Untersuchung
- medikamentöse Behandlung der Herzinsuffizienz;
evtl. mechanische Herzunterstützung
Maßnahmen während des Eingriffes:
- möglichst Nachweis des kompletten VSD-Verschlusses
- Perioperative Antibiotika-Prophylaxe (beginnend vor Operationsbeginn bis zum ersten postoperativen Tag in Intervallen von acht Stunden), z. B. mit Cefazolin oder Cefuroxim
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Bestimmmung kardialer Markerproteine (CK, CK-MB, Troponin T)
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
Ergebnisse:
- Letalität: 10 bis 50 % (in Abhängigkeit vom lokalen, zeitlichen und allgemeinen Ausgangsbefund)
Nachbehandlung:
- medikamentöse Therapie mit Antikoagulantien oder Thrombozytenaggregations-hemmern
- Ausschluß eines Rezidiv-VSD (Auskultation, Echokardiogramm)
- Dringliche Re-Operationsindikation bei kreislaufwirksamem oder eine Hämolyse verursachenden Rezidiv-VSD
- Entlassung innerhalb von etwa 2 Wochen bei unkompliziertem Verlauf;
verlängerter Krankenhausaufenthalt bei prä- und postoperativen Komplikationen
- Anschlußheilbehandlung, Rehabilitationsmaßnahmen
- Linksventrikuläres Aneurysma
Definition/Ätiologie:
Abschnitt der Ventrikelwand nach einem früher abgelaufenen Herzinfarkt und nach Vernarbungsphase, der sich während der Systole paradox (dyskinetisch) ausdehnt. Meist ist das vordere, anterolaterale bzw. apikale Wandsegment befallen. Aneurysmen, die aus dünnem Narbengewebe bzw. aus vernarbtem und vitalem Myokardgewebe bestehen, stellen in zweierlei Hinsicht einen funktionellen Nachteil für das Herz dar: 1. durch die paradoxe Ausdehnung und 2. durch den Kontraktilitätsverlust. Vorderwandaneurysmen entstehen oft durch einen Verschluß des Ramus interventricularis anterior. Bei der Hälfte der Aneurysmapatienten treten akut oder im Langzeitverlauf Zeichen einer Herzinsuffizienz, in 15 % der Fälle Arrhythmien auf. Darüberhinaus besteht die Möglichkeit der Thrombusbildung im Aneurysmasack.
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Nachweis der Wanddyskinesie mittels Echokardiographie oder Lävokardiogramm (inkl. Koronarangiogramm)
- Rechtsherzkatheter (Messung der pulmonalarteriellen Druckverhältnisse)
- evtl. CT, NMR, Rhythmusdiagnostik
Diagnosen:
· Aneurysma des linken Ventrikels
chirurgische Therapiemöglichkeiten:
- Resektion, Raffung oder plastische Deckung des linksventrikulären Aneurysmas
- evtl. zusätzlich Koronarrevaskularisierung
- evtl. zusätzlich Rhythmuschirurgie
Indikationen:
- kongestives Herzversagen
- ventrikuläre Arrhythmien
- Angina pectoris (bei zusätzlichen Koronarstenosen)
- systemische Embolisation
- Differentialdiagnose: Pseudoaneurysma
relative Kontraindikationen:
- asymptomatisches Aneurysma
- Operationsrisiko höher als der zu erwartende Nutzen
Maßnahmen vor dem Eingriff:
- Koronarangiogramm
- Untersuchung der hirnversorgenden Blutgefäße
- Beseitigung von temporären Kontraindikationen, infektiösen Herden und / oder anderen therapierbaren Begleiterkrankungen (entsprechend der Dringlichkeit)
- Risikofaktoren-Modifikation und Medikamenten-Optimierung: Gewichtskontrolle, Antikoagulation, Blutdruckkontrolle,
b -Blockergebrauch, ACE-Hemmer, Östrogengebrauch (nach Menopause)
Maßnahmen während des Eingriffes:
- Entfernung von wandständigen Thromben
- Rekonstruktion des Ventrikels hinsichtlich Form und Größe
- u. U. intraoperative elektrophysiologische Untersuchung und Exklusion arrhythmogener Bezirke
- Perioperative Antibiotika-Prophylaxe (beginnend vor Operationsbeginn bis zum ersten postoperativen Tag in Intervallen von acht Stunden), z. B. mit Cefazolin oder Cefuroxim
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Bestimmmung kardialer Markerproteine (CK, CK-MB, Troponin T)
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
Ergebnisse:
- Letalität: 3 bis 15 % (in Abhängigkeit vom Alter und Allgemeinzustand des Patienten, Begleiterkrankungen, Zustand des Restmyokards)
- Besserung der Symptomatik
Nachbehandlung:
- medikamentöse Therapie mit Antikoagulantien oder Thrombozytenaggregations-hemmern
- Entlassung innerhalb von etwa 2 Wochen bei unkompliziertem Verlauf;
verlängerter Krankenhausaufenthalt bei prä- und postoperativen Komplikationen
- Anschlußheilbehandlung, Rehabilitationsmaßnahmen
Leitlinien zur chirurgischen Therapie von Herzklappenerkrankungen
- Aortenklappe
Definition/Ätiologie der Aortenstenose:
Verengung des linksventrikulären Ausflusses im Bereich der Klappe: valvuläre Aortenstenose. (Hiervon sind abzugrenzen die supravalvuläre Aortenstenose oberhalb der Klappenebene sowie die subvalvuläre Aortenstenose, unterhalb der Klappenebene).
Die meisten Aortenklappenstenosen entstehen in Folge angeborener Asymmetrien durch degenerative Veränderungen oder als "senile" Aortensklerose in höherem Alter durch spontane Degeneration und Kalzifizierung. An zweiter Stelle stehen rheumatische Vitien, gefolgt von Endokarditis und kongenitalen Anomalien.
Definition/Ätiologie der Aorteninsuffizienz:
Reflux über die Aortenklappe kann als Folge von rheumatischem Fieber auftreten; ferner kommen als Ursachen in Betracht: bakterielle Endokarditis, Aortitis (z. B. bei Syphilis), Erweiterung der Aortenwurzel (z. B. bei Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom), Aortendissektion, kongenitale Anomalien sowie paravalvuläre Lecks nach vorangegangenem Aortenklappenersatz.
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Auskultation
- Echokardiographie, Echo-Doppler-Untersuchung
- Aortographie, Lävokardiogramm;
(zusätzlich: Koronarangiogramm)
Diagnosen:
- Aortenklappenstenose, -insuffizienz oder kombiniertes Aortenvitium
- Aortenvitium und Mitralvitium
- Aorten-, Mitral- und Trikuspidalvitium
- Aortenvitium in Kombination mit anderen Herzerkrankungen
- Aortenvitium in Kombination mit Erkrankungen der arteriellen Gefäße
- Dysfunktion einer Aortenklappenprothese
- Prothesenendokarditis
- angeborene Aortenvitien
chirurgische Therapiemöglichkeiten:
In konventioneller Vorgehensweise oder in ausgewählten Fällen als minimalinvasiver Eingriff mit alternativen Zugängen und Anschlüssen der Herz-Lungen-Maschine
- Aortenklappenrekonstruktion
- Sprengung / Kommissurotomie
- offene Valvulotomie
- Raffung der Aortenklappe
- Aortenklappenersatz mit mechanischer Prothese
- Aortenklappenersatz mit biologischer Prothese
- Aortenklappenersatz mit Homograft
- Aortenklappenersatz mit Pulmonalis-Autograft + PK-Homograft
- Re-Aortenklappenersatz
- Klappeneingriff in Kombination mit Korrektur anderer Herzerkrankungen
- Klappeneingriff als Simultaneingriff in Kombination mit Gefäß- oder Lungenoperationen
- Verschluß einer paravalvulären Leckage
Indikationen:
- Aortenvitium mit Symptomen (Synkope, Angina pectoris, ventrikuläre Rhythmusstörungen oder kongestives Herzversagen)
- Aortenklappenstenose (auch asymptomatisch) mit einem mittleren Gradienten > 40 mm Hg mit normalem Herzzeitvolumen oder einem niedrigeren Gradienten bei reduziertem Herzzeitvolumen bzw. Repolarisationsstörungen in Ruhe- oder Belastungs-EKG
- Aortenklappenstenose mit einer Klappenöffnungsfläche < 0,8 cm²
- Aortenklappenstenose mit progredienter linksventrikulärer Hypertrophie (Echokardiogramm)
- Aortenklappenstenose oder -insuffizienz mit progredienter Verschlechterung der linksventrikulären Funktion
- Prothesendysfunktion (Stenose oder Insuffizienz) infolge von Thromben, Gewebeverwachsungen oder paravalvulären Leckage
- Infektion der Aortenklappe oder der Prothese, die zur Stenose oder Insuffizienz führt, trotz adäquater Antibiotikatherapie
- rezidivierende systemische Embolisation von einer Aortenklappenprothese trotz adäquater Antikoagulation
- septische Embolisation trotz adäquater antibiotischer Therapie
- rezidivierende Embolien aus einer verkalkten Aortenklappe
relative Kontraindikationen:
- chronische oder maligne Erkrankungen, die einen Gewinn des Patienten aus dem Aortenklappenersatz unwahrscheinlich erscheinen lassen
- Operationsrisiko höher als der zu erwartende Nutzen
- Auch frische zerebrale Insulte ohne Hirnödem sind bei weiter bestehender Indikation keine absolute Kontraindikation zur Operation
Maßnahmen vor dem Eingriff:
- Therapie des kongestiven Herzversagens
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Behandlung von Herzrhythmusstörungen
- Wiederherstellung einer normalen Blutgerinnung (ggf. Absetzen von Marcumar und Einleiten der Heparinisierung unter stationären Bedingungen)
- Beseitigung von temporären Kontraindikationen, infektiösen Herden und / oder anderen therapierbaren Begleiterkrankungen (entsprechend der Dringlichkeit)
- Untersuchung der hirnversorgenden Blutgefäße
- Koronarangiogramm bei Männern über 40 Jahren und bei Frauen über 50 Jahren sowie bei allen Patienten mit Hinweisen auf eine koronare Herzerkrankung (Anamnese, EKG) bzw. Koronaranomalien
Maßnahmen während des Eingriffs:
- Myokardprotektion
- Vermeidung einer Embolisation von Kalk oder Detritus
- Überprüfung der Prothesen- bzw. Klappenfunktion (bei Bedarf mittels transösophagealer Echokardiographie)
- Sorgfältige Entlüftung der Herzhöhlen
- Arrhythmie-Monitoring
- Perioperative Antibiotika-Prophylaxe (beginnend vor Operationsbeginn bis zum ersten postoperativen Tag in Intervallen von acht Stunden), z. B. mit Cefazolin oder Cefuroxim sowie weiterhin für mindestens eine Woche
(bei Keimbefund auf der exzidierten Herzklappe Antibiotikagabe entsprechend Antibiogramm für 8 12 Wochen)
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Überwachung der Klappenfunktion (Echokardiographie)
- Bestimmmung kardialer Markerproteine (CK, CK-MB, Troponin T)
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
- Antibiotikatherapie entsprechend dem Antibiogramm bei bakterieller Endokarditis (im Rahmen einer elektiven Herzoperation)
- frühzeitige Antikoagulation (mit Heparin), dann Marcumar
Ergebnisse:
- Operationsletalität: bis zu 10 % (je nach präoperativem Risikostatus)
Nachbehandlung:
- Entlassung innerhalb von etwa 2 Wochen bei unkompliziertem Verlauf;
verlängerter Krankenhausaufenthalt bei prä- und postoperativen Komplikationen
- Anschlußheilbehandlung, Rehabilitationsmaßnahmen
- bei mechanischem Herzklappenersatz oder persistierendem Vorhofflimmern lebenslange Antikoagulation mit Phenprocoumon (z.B. MarcumarR) oder Warfarin (z.B. CoumadinR)
- nach Herzklappenersatz jeglicher Art Endokarditisprophylaxe mit Antibiotika
- Mitralklappe
Definition/Ätiologie der Mitralklappenstenose:
Häufigste Ursache für eine Verengung der Mitralklappe ist das rheumatische Fieber; dieses kann durch Verschmelzung verschiedener Anteile des Klappenapparates zu Stenosen führen: (1.) Kommissuren, (2.) Segel, (3.) Sehnenfäden oder (4.) eine Kombination dieser Strukturen. Stenosen können auch durch Thromben, Tumoren (z.B. Myxome), Fibrose, Verkalkung oder Dysfunktion implantierter Ersatzklappen entstehen.
In seltenen Fällen ist die Mitralstenose eine Komplikation des systemischen Lupus erythematodes, der rheumatoiden Arthritis, der Mukopolysaccharidose oder eines Karzinoids.
Definition/Ätiologie der Mitralklappeninsuffizienz:
Abnormitäten von Mitralring, Mitralsegel, Sehnenfäden oder Papillarmuskeln können einen dichten Verschluß des Mitralostiums unmöglich machen und dadurch zu Insuffizienzen führen.
Häufigste Ursachen der akuten Mitralklappeninsuffizienz sind Papillarmuskelnekrosen nach Myokardinfarkt, Zerstörung von Segel bzw. Sehnenfäden bei Endokarditis sowie Sehnenfadenabriß traumatischer Genese.
Chronische Mitralklappeninsuffizienzen können folgende Ursachen haben:
- Degeneration (Verkalkung des Mitralklappenringes, Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom, Pseudoxanthoma elasticum)
- strukturelle Gewebsveränderung (Spontanabriß von Sehnenfäden, Papillarmuskeldysfunktion ischämischer Genese, Dilatation des Mitralringes bei Kardiomyopathie oder linksventrikulärem Aneurysma)
- Entzündung (rheumatische Herzerkrankung, systemischer Lupus erythematodes, Sklerodermie)
- kongenitale Veränderungen des Mitralklappenapparates (Mitralklappenfenestrationen, "Fallschirm"-Mitralsegel, endokardiale Fibroelastosis).
Weiterhin kann eine Prothesendysfunktion zu einem Rückfluß aus dem linken Ventrikel in den Vorhof führen. Ursachen hierfür können sein: Dislokation der Prothesenscheibe, Fraktur des Klappenringes, paravalvuläres Leck, degenerative Veränderungen an Prothesentaschen, Klappenendokarditis.
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Auskultation
- Echokardiographie (inklusive Echo-Doppler-Untersuchung)
- Lävokardiogramm (zusätzlich Koronarangiogramm)
- Rechtsherzkatheter mit Druck- und Widerstandsmessung
Diagnosen:
- Mitralklappenstenose, -insuffizienz oder kombiniertes Mitralvitium
- Mitralvitium und Aortenvitium
- Mitral-, Aorten- und Trikuspidalvitium
- Mitralvitium in Kombination mit anderen Herzerkrankungen
- Mitralvitium in Kombination mit Erkrankungen der arteriellen Gefäße
- Dysfunktion einer Mitralklappenprothese
- Prothesenendokarditis
chirurgische Therapiemöglichkeiten:
In konventioneller Vorgehensweise oder in ausgewählten Fällen als minimalinvasiver Eingriff mit alternativen Zugängen und Anschlüssen der Herz-Lungen-Maschine
- offene Kommissurotomie der Mitralklappe
- Mitralklappenersatz mit mechanischer Prothese
- Mitralklappenersatz mit biologischer Prothese
- Mitralklappenrekonstruktion mit / ohne Ring oder Teilring
- Re-Mitralklappenersatz
- Klappeneingriff in Kombination mit Korrektur anderer Herzerkrankungen
- Klappeneingriff als Simultaneingriff in Kombination mit Gefäß- oder Lungenoperationen
- Verschluß einer paravalvulären Leckage
Indikationen:
- Mitralklappenstenose oder -insuffizienz mit Symptomen des Schweregrades NYHA III oder IV
- Mitralklappenstenose oder -insuffizienz mit Symptomen des Schweregrades NYHA > II mit
1) neu aufgetretenem Vorhofflimmern, das medikamentös nicht in einen Sinus- rhythmus konvertierbar ist, oder
2) Verschlechterung der Myokardfunktion, die sich anhand von Zunahme der Herzgröße oder Abnahme der linksventrikulären Ejektionsfraktion in seriell durchgeführten nichtinvasiven Untersuchungen zeigt
3) rezidivierende arterielle Embolie
- Mitralklappenstenose mit einem Klappenindex von
£ 1,5 cm²/m² Körperoberfläche
rezidivierende systemische Embolien ausgehend von der nativen Mitralklappe oder dem linken Vorhof trotz suffizienter Antikoagulation
Dysfunktion der Mitralklappe infolge von Thromben, Gewebeverwachsungen, was zu signifikanter Mitralstenose oder -insuffizienz führt
Infektion der Mitralklappe oder der Prothese, die zur Stenose oder Insuffizienz führt, ohne Möglichkeit einer suffizienten Antibiotikatherapie
als zusätzliche Maßnahmen zur Myotomie / Myektomie bei hypertropher obstruktiver Kardiomyopathie
Mitralklappeninsuffizienz infolge von Papillarmuskeldysfunktion oder Ruptur nach Myokardinfarkt, einhergehend mit Herzinsuffizienz
bei florider Endokarditis mit Herzinsuffizienz und / oder Embolierisiko (Echo-Befund) und / oder zur Fokussanierung
relative Kontraindikationen:
- linksventrikuläre Ejektionsfraktion < 20 %
- chronische oder maligne Erkrankungen, die einen Gewinn des Patienten vom Mitralklappenersatz unwahrscheinlich erscheinen lassen
- Operationsrisiko höher als der zu erwartende Nutzen
- Pulmonale Hypertonie infolge des Vitiums stellt keine Kontraindikation dar
- Auch frische zerebrale Insulte ohne Hirnödem sind bei weiter bestehender Indikation keine absolute Kontraindikation zur Operation
Maßnahmen vor dem Eingriff:
- Therapie des kongestiven Herzversagens
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Behandlung von Herzrhythmusstörungen
- Wiederherstellung einer normalen Blutgerinnung (ggf. Absetzen von Marcumar und Einleitung einer Heparinisierung unter stationären Bedingungen)
- Beseitigung von temporären Kontraindikationen, infektiösen Herden und / oder anderen therapierbaren Begleiterkrankungen (entsprechend der Dringlichkeit)
- Untersuchung der hirnversorgenden Blutgefäße
- Koronarangiogramm bei Männern über 40 Jahren und bei Frauen über 50 Jahren sowie bei allen Patienten mit Hinweisen auf eine koronare Herzerkrankung (Anamnese, EKG)
Maßnahmen während des Eingriffes:
- Überprüfung der Prothesen- bzw. Klappenfunktion (z.B. mittels transösophagealer Echokardiographie)
- Arrhythmie-Monitoring
- Myokardprotektion
- Vermeidung einer Embolisation von Kalk oder Detritus
- Perioperative Antibiotika-Prophylaxe (beginnend vor Operationsbeginn bis zum ersten postoperativen Tag in Intervallen von acht Stunden), z. B. mit Cefazolin oder Cefuroxim sowie weiterhin für mindestens eine Woche
(bei Keimbefund auf der exzidierten Herzklappe Antibiotikagabe entsprechend Antibiogramm für 8 12 Wochen)
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Überwachung der Klappenfunktion
- Bestimmmung kardialer Markerproteine (CK, CK-MB, Troponin T)
- Kreislaufmonitoring; evtl. zirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
- Antibiotikatherapie entsprechend des Antibiogramms bei bakterieller Endokarditis (im Rahmen einer elektiven Herzoperation)
- frühzeitige Antikoagulation (mit Heparin)
Ergebnisse:
- Operationsletalität: bis 10 %, u. U. höher, je nach Schweregrad der Erkrankung
Nachbehandlung:
- Entlassung innerhalb von etwa 2 Wochen bei unkompliziertem Verlauf;
verlängerter Krankenhausaufenthalt bei prä- und postoperativen Komplikationen
- Anschlußheilbehandlung, Rehabilitationsmaßnahmen
- bei mechanischem Herzklappenersatz oder persistierendem Vorhofflimmern lebenslange Antikoagulation mit Phenprocoumon (z.B. MarcumarR) oder Warfarin (z.B. CoumadinR)
- nach Herzklappenersatz jeglicher Art Endokarditisprophylaxe mit Antibiotika
Trikuspidalklappe
Definition/Ätiologie der Trikuspidalklappenstenose:
Eine Verengung der Trikuspidalklappe ist fast immer rheumatischer Genese. Allerdings tritt die rheumatische Trikuspidalstenose fast niemals isoliert auf, sondern geht meist mit einer Mitralklappenerkrankung einher. Die anatomischen Veränderungen bei Trikuspidalklappenstenose ähneln denen der Mitralklappe: Verschmelzung und/oder Verkürzung der Sehnenfäden sowie Verschmelzung der Segelränder.
Seltene Ursachen für Trikuspidalklappenstenosen sind das Karzinoid-Syndrom sowie angeborene Verengungen des Klappenapparates.
Definition/Ätiologie der Trikuspidalklappeninsuffizienz:
Die häufigste Ursache für eine Undichtigkeit der Trikuspidalklappe ist eine Dilatation des rechten Ventrikels sowie des Klappenringes. Besonders eine pulmonale Hypertonie kann bei primär normalem Klappenapparat zu einer Erweiterung des Klappenringes führen. Anatomische Veränderungen, die eine Insuffizienz nach sich ziehen können, sind neben rheumatischen Erkrankungen vor allem die infektiöse Endokarditis, die Ebstein-Anomalie, Bindegewebserkrankungen (z. B. Marfan-Syndrom), Trauma, Karzinoid oder Strahlenbehandlung.
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Auskultation und klinische Untersuchung
- Echokardiographie; Echo-Doppler-Untersuchung
- Rechtsherzkatheteruntersuchung
Diagnosen:
- Insuffizienz oder Stenose der Trikuspidalklappe rheumatischer Genese
- Insuffizienz oder Stenose der Trikuspidalklappe nichtrheumatischer Genese
- kombiniertes Trikuspidalklappenvitium
- Dysfunktion einer Trikuspidalklappenprothese
- Prothesenendokarditis
chirurgische Therapiemöglichkeiten:
In konventioneller Vorgehensweise oder in ausgewählten Fällen als minimalinvasiver Eingriff mit alternativen Zugängen und Anschlüssen der Herz-Lungen-Maschine
- offene Kommissurotomie der Trikuspidalklappe
- Trikuspidalklappenersatz mit mechanischer Prothese
- Trikuspidalklappenersatz mit biologischer Prothese
- Trikuspidalklappenrekonstruktion mit / ohne Semiprothese
- Re-Trikuspidalklappenersatz
- Klappeneingriff in Kombination mit Korrektur anderer Herzerkrankungen
- Klappeneingriff als Simultaneingriff in Kombination mit Gefäß- oder Lungenoperationen
- Verschluß einer paravalvulären Leckage
Indikationen:
- Trikuspidalstenose oder -insuffizienz mit Symptomen des Schweregrades NYHA III oder IV
- nachgewiesener Rückfluß über die Trikuspidalklappe mittels prä- oder intraoperativer Echokardiographie
- mehrfach positive Blutkulturen mit echokardiographischem Hinweis auf Vegetationen im Bereich der Trikuspidalklappe (in Verbindung mit Rechtsherzversagen oder erfolgloser Antibiotikatherapie im Rahmen eines infektiösen Geschehens)
- geringer Rückfluß über die Tricuspidalklappe infolge von Mitral- oder Aortenklappenerkrankungen, die einer chirurgischen Therapie bedürfen
relative Kontraindikationen:
- Nicht therapierbare pulmonale Hypertonie
- seit kurzem bestehende Trikuspidalinsuffizienz mit gleichzeitig vorliegender Mitral- oder Aortenklappenerkrankung, deren chirurgische Therapie eine signifikante Abnahme des Pulmonalarteriendrucks und damit eine Verbesserung oder Beseitigung des Rückflusses über die Tricuspidalis erwarten läßt
- chronische oder maligne Erkrankungen, die einen Vorteil vom chirurgischen Eingriff an der Tricuspidalklappe unwahrscheinlich erscheinen lassen
- Operationsrisiko höher als der zu erwartende Nutzen
Maßnahmen vor dem Eingriff:
- Therapie des kongestiven Herzversagens
- Herzkatheteruntersuchung zum Ausschluß anderer Klappenerkrankungen, einer pulmonalen Hypertonie oder einer koronaren Herzerkrankung
- Koronarangiogramm bei Männern über 40 Jahren und bei Frauen über 50 Jahren sowie bei allen Patienten mit Hinweisen auf eine koronare Herzerkrankung (Anamnese, EKG)
- Behandlung von Herzrhythmusstörungen
- Wiederherstellung einer normalen Blutgerinnung (ggf. Absetzen von Marcumar und Einleitung einer Heparinisierung unter stationären Bedingungen)
- Beseitigung von temporären Kontraindikationen, infektiösen Herden und / oder anderen therapierbaren Begleiterkrankungen (entsprechend der Dringlichkeit)
- Untersuchung der hirnversorgenden Blutgefäße
- Verbesserung des Allgemeinzustandes
- Untersuchung der Leberfunktion
Maßnahmen während des Eingriffs:
- Überprüfung der Prothesen- bzw. Klappenfunktion (bei Bedarf mittels transösophagealer Echokardiographie)
- Arrhythmie-Monitoring
- Perioperative Antibiotika-Prophylaxe (beginnend vor Operationsbeginn bis zum ersten postoperativen Tag in Intervallen von acht Stunden), z. B. mit Cefazolin oder Cefuroxim sowie weiterhin für mindestens eine Woche
(bei Keimbefund auf der exzidierten Herzklappe Antibiotikagabe entsprechend Antibiogramm für 8 12 Wochen)
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Bestimmmung kardialer Markerproteine (CK, CK-MB, Troponin T)
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
- Antibiotikatherapie entsprechend des Antibiogramms bei bakterieller Endokarditis (im Rahmen einer elektiven Herzoperation)
- frühzeitige Antikoagulation (mit Heparin)
Ergebnisse:
- Operationsletalität: 5 % bis 10 %, u. U. höher, je nach Schwere der Erkrankung
Nachbehandlung:
- Entlassung innerhalb von etwa 2 Wochen bei unkompliziertem Verlauf;
verlängerter Krankenhausaufenthalt bei prä- und postoperativen Komplikationen
- Anschlußheilbehandlung, Rehabilitationsmaßnahmen
- bei mechanischem Herzklappenersatz oder persistierendem Vorhofflimmern lebenslange Antikoagulation mit Phenprocoumon (z.B. MarcumarR) oder Warfarin (z.B. CoumadinR)
- nach Herzklappenersatz jeglicher Art Endokarditisprophylaxe mit Antibiotika
- Pulmonalklappe
(
® vgl. kongenitale Herzfehler, Abschnitt 3.1.1)
Leitlinien zur chirurgischen Therapie von angeborenen Herzfehlern
- Obstruktion des rechtsventrikulären Ausflußtraktes
Pulmonalstenose
Defintion / Ätiologie
Eine isolierte Pulmonalstenose kommt in einer Häufigkeit von 8 10 % aller kardiovaskulären Fehlbildungen vor. Es wird zwischen der valvulären, supravalvulären und subvalvulären Form unterschieden.
Bei der häufigsten Form, der isolierten valvulären Stenose, sind die Pulmonalklappenkommissuren in unterschiedlicher Ausprägung miteinander verschmolzen, wodurch die Öffnungsflächer verkleinert ist; in etwa 20 % der Fälle ist die Pulmonalklappe bikuspid angelegt. Eine ausgeprägte rechtsventrikuläre Hypertrophie kann durch verdickte Muskelbündel zu einer zusätzlichen Einengung des subvalvulären Ausflußtraktes führen (Indfundibulumstenose).
Isolierte subvalvuläre Stenosen sind sehr selten und entstehen durch Hypertrophie septaler und parietaler Muskelbündel im Infundibulum.
Supravalvuläre Stenosen (oberhalb der Klappenebene) sind als isolierte Anomalie eine Seltenheit. Sie werden häufig bei anderen Fehlbildungen (Fallotsche Tetralogie, Pulmonalatresie) beobachtet.
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Elektrokardiogramm, Röntgen-Thorax-Untersuchung
- Echokardiogramm
- Herzkatheterisierung und Angiokardiographie (zur Verifizierung des echokardiographischen Befundes und zum Ausschluß weiterer Anomalien)
chirurgische Therapiemöglichkeiten:
- offene Kommissurotomie (sofern keine Ballon-Sprengung möglich erscheint)
- Erweiterung des Infundibulums bei zusätzlich vorliegender infundibulärer Stenose
- In seltenen Fällen: prothetischer Klappenersatz im jungen Erwachsenenalter
- Geschlossene transventrikuläre Kommissurotomie (sog. Brock-Sprengung): heute überwiegend von historischem Interesse.
Indikationen:
- Hypoplastischer Klappenring, der die Durchführung einer Ballonvalvuloplastie nicht erlaubt
- Hochgradige Dysplasie bzw. Verdickung der Klappentaschen
- Ausgeprägte infundibuläre Verengung
relative Kontraindikationen:
- schwere Herzinsuffizienz, wenn Operation nach Rekompensation sinnvoller erscheint
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
Ergebnisse:
- Letalität bei offener Kommissurotommie: weniger als 5%
Nachbehandlung:
- Regelmäßige ambulante Kontrollen durch Kardiologen bzw. kinderkardiologisches Zentrum
- Je nach operativer Maßnahme: medikamentöse Therapie mit Antikoagulantien oder Thrombozytenaggregations-hemmern
- Entlassung innerhalb von etwa 2 Wochen bei unkompliziertem Verlauf;
verlängerter Krankenhausaufenthalt bei prä- und postoperativen Komplikationen
- Fallotsche Tetralogie (siehe 3.4.1)
- Double outlet right ventricle (siehe 3.4.2)
- Pulmonalatresie (siehe 3.4.3)
- Obstruktionen des linken Herzens
- Aortenstenose
Definition / Ätiologie:
Die valvuläre Aortenstenose entsteht durch Fehlbildung oder rudimentäre Anlage der Klappentaschen. Die Kommissuren können entweder verschmolzen sein oder fehlen. Etwa 75 % der Kinder mit valvulärer Aortentenose haben eine asymmetrische oder gar bikuspid angelegte Aortenklappen.
Bei der lokalisierten, subvalvulären Aortenstenose führt eine zirkuläre fibromuskuläre Membran unterhalb der Aortenklappe zur Einengung des linksventrikulären Ausflußtraktes. Die lokalisierte, membranöse Form ist bei der Geburt des Kindes noch nicht vorhanden, sondern entwickelt sich im Laufe der Kindheit.
Die supravalvuläre Aortenstenose ist die seltenste Form der linksventrikulären Ausflußtraktobstruktion und befindet sich in der Regel am Übergang zwischen Sinus Valsalvae und Aortenwand, d.h. in Höhe der Klappenkommissuren. Sie wird gehäuft beim Williams-Beuren-Syndrom (idiopathisches Hyperkalzämiesynsdrom mit Koboldgesicht, geistiger Retardierung und Minderwuchs) oder nach einer Rötelninfektion der Mutter gesehen.
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Elektrokardiogramm, Röntgen-Thorax-Untersuchung
- Echokardiogramm
- Herzkatheterisierung und Angiokardiographie (zur evtl. erforderlichen Verifizierung des echokardiographischen Befundes und zum Ausschluß weiterer Anomalien)
chirurgische Therapiemöglichkeiten:
- Beseitigung der Stenosierung durch offene Kommissurotomie bzw. Klappenrekonstruktion (bei Neugeborenen und Säuglingen als Notfalleingriff in kurzem Kreislaufstillstand)
- Prothetischer Klappenersatz (biologische Xenografts, Homografts, mechanische Klappenprothesen)
- Ross-Operation (Ersatz der Aortenklappe durch die autologe Pulmonalklappe, wobei die nunmehr fehlende Pulmonalklappe durch ein Homograft ersetzt wird)
- Aorto-Ventrikuloplastik (nach Konno und Rastan) bei zu engem Aortenklappenring
- Modifizierte Aorto-Ventrikuloplastik (aortales Homograft + anhängendes Mitralsegel)
- Erweiterungsplastik der Aortenwurzel symmetrisch in alle drei Sinus nach Doty
- Transaortale Ausschälplastik der fibromuskulären Leiste subaortal mit vollständiger Entfernung des Ringes auch mitralseitig; evtl. zusätzlich keilförmige Myektomie
Indikationen:
- Kritische Stenosierung (mittlerer Gradient über 50 - 75 mmHg, abhängig vom HZV); subvalvuläre Formen ab einem geringeren Gradienten
- Kardiale Beschwerdesymptomatik
- Interventionelle Sprengung nicht erfolgversprechend
relative Kontraindikationen:
- schwere Herzinsuffizienz, wenn Operation nach Rekompensation sinnvoller erscheint
Maßnahmen während des Eingriffs:
- TEE vor und nach Korrektur
- Perioperative Antibiotika-Prophylaxe (beginnend vor Operationsbeginn bis zum ersten postoperativen Tag in Intervallen von acht Stunden), z. B. mit Cefazolin oder Cefuroxim
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
Ergebnisse:
- Bei mehr als 50 % der Patienten tritt in den folgenden 20 Jahren nach Aortenklappenkommissurotomie eine erneute Stenosierung oder ein kombiniertes Vitium ein, die eine nochmalige Operation (Re-Kommissurotomie, Klappenersatz) erforderlich macht.
- Biologische Xenograftklappen kalzifizieren und degenerieren bei Kindern wesentlich schneller als bei Erwachsenen, so daß bereits nach einigen Jahren die Klappe ersetzt werden muß. (Indikation daher nur in Ausnahmefällen)
Nachbehandlung:
- Regelmäßige ambulante Kontrollen durch Kardiologen bzw. kinderkardiologisches Zentrum
- medikamentöse Therapie mit Antikoagulantien oder Thrombozytenaggregations-hemmern
- Aortenisthmusstenose
Definition / Ätiologie:
Die Häufigkeit der Aortenisthmusstenose beträgt 5 8 % aller kongenitalen Herz- und Gefäßmißbildungen. Männliche Kinder sind 4 mal häufiger betroffen als weibliche. Häufig ist die Aortenisthmusstenose kombiniert mit einer bikuspiden Aortenklappe oder einem Ductus arteriosus persistens.
Eine Stenose unmittelbar vor Einmündung des Ductus wird als präduktale oder infantile Aortenisthmusstenose bezeichnet und wird bereits im Säuglingsalter symptomatisch. Sie ist häufiger mit anderen Herzfehlern kombiniert. Die untere Körperhälfte wird überwiegend über den offenen Ductus arteriosus perfundiert, so daß die Symptomatik bei beginnendem Ductusverschluß einsetzt.
Demgegenüber ist die Aortenisthmusstenose bei älteren Kindern oft in Höhe der Einmündung des Ductus oder unmittelbar danach lokalisiert und wird dann als postduktale oder adulte Form bezeichnet. Klassischerweise tritt eine arterielle Hypertension im Bereich der oberen Körperhälfte sowie eine Druckreduzierung im Bereich der unteren Körperhälfte auf.
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Blutdruckmessung sowie Palpation der Pulse an allen vier Extremitäten
- Elektrokardiographie, Röntgen-Thorax-Untersuchung (Rippenusuren, meist im späteren Lebensalter)
- Echokardiographie
- Herzkatheterisierung und Angiokardiographie (zur Verifizierung des echokardiographischen Befundes und zum Ausschluß weiterer Anomalien)
- Evtl. Protstaglandin E bei Duktus abhängiger Perfusion der unteren Körperhälfte
Chirurgische Therapiemöglichkeiten:
- Operative Beseitigung der Stenose (unter möglichst kompletter Entfernung des Ductus-Gewebes) und End- zu End - Anastomose der Aorta (Standardoperation im Neugeborenen-, Säuglings- und Kleinkindalter).
- Interposition einer Gefäßprothese (vorwiegend bei Adoleszenten und Erwachsenen)
- Erweiterung des Isthmus durch Kunststoff-Patch (bei langstreckigen Stenosen), durch Einnähen der linken Arteria subclavia (sog. Waldhausen-Plastik) bzw. "Subclavian flap")
Indikationen:
- Systolischer Druckgradient zwischen oberer und unterer Extremität über 30 mmHg
- Geringer Druckgradient bei gut ausgebildeter Kollateralzirkulation oder weit offenem Ductus
- Arterielle Hypertonie der oberen Körperhälfte
relative Kontraindikationen:
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- simultane Blutdruckmessung der oberen und unteren Körperhälfte (Mitteldruckgradient < 4 mmHg sollte akzepiert werden)
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Überwachung des Blutdruckverhaltens evtl. antihypertensive Therapie
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status, insbesondere der Rückenmarksfunktion unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
Ergebnisse:
- Operationsletalität ist abhängig vom Lebenslater und dem Vorliegen assoziierter kardialer Fehlbildungen (bei isolierter Aortenisthmusstenose < 1 %)
- Re-Stenosierung (Inzidenz etwa 20 25 % bei Operation innerhalb der ersten drei Lebensmonate, etwa 5 10 % bei Operation jenseits des ersten Lebensjahres)
- Paraplegie infolge Hypoperfusion des Rückenmarks (bei etwa 0,4 %)
- Möglicherweise Probleme der Armdurchblutung nach Waldhausen-Plastik im Säuglingsalter
Nachbehandlung:
- Regelmäßige Kontolluntersuchungen durch Kinderkardiologen
- Ggf. medikamentöse Behandlung eines fortbestehenden Hypertonus.
- Erneute invasive Diagnostik bei Restenosierung.
- Ggf. Ballondilatation (ideale Indikation)
- Arterielle Gefäßringe und pulmonale Gefäßschlingen
Definition / Ätiologie
Arterielle Gefäßringe:
Gefäßanomalien, die aus einer embryonalen Fehlentwicklung des Aortenbogens resultieren, führen zu einer Kompression der eingeschlossenen Trachea und / oder des Ösophagus. Hierbei sind zu erwähnen:
- Aberrierende rechte Arteria subclavia
(A. lusoria): Eine rechts hinter dem Ösophagus zum rechten Arm ziehende Arteria subclavia führt zur Kompression des Ösophagus. (Häufigste vaskuläre Fehlbildung des Aortenbogens überhaupt; Inzidenz: 0,5 % der Normalbevölkerung, 30 % bei Morbus Down.)
- Doppelter Aortenbogen
: Zwei Aortenbögen persistieren und verlaufen auf beiden Seiten der Trachea und des Ösophagus, um sich dorsal wieder über eine rechts- oder linksdescendierende Aorta zu vereinigen (® kompletter Gefäßring). Hierbei dominiert in 73 % der Fälle der rechte und in 20 % der Fälle der linke vordere Aortenbogen.
- Rechter Aortenbogen mit linksseitigem Ligamentum arteriosum:
Der retroösophageal rechtsverlaufende Aortenbogen gibt eine linke Arteria subclavia ab, die als letzter Ast des anomalen Bogens entspringt. Das Ligamentum arteriosum zieht von der deszendierenden Aorta zur linken Pulmonalarterie, hierdurch werden Trachea und Ösophagus eingeengt.
- Distaler Abgang des Truncus brachiocephalicus:
Der verlängerte Truncus brachiocephalicus zieht vor der Trachea nach rechts, woraus eine arterielle Kompression der Trachea resultieren kann.
Pulmonale Gefäßschlinge:
Die linke Pulmonalarterie entspringt aus der rechten und verläuft retrotracheal zur linken Seite, wobei in seltenen Fällen der Tracheobronchialbaum direkt komprimiert wird. Häufiger jedoch ist eine begleitende Trachealhypoplasie mit Ringknorpelausbildung vorhanden.
Möglichkeiten der Diagnosestellung
- Röntgen-Thoraxbild mit Ösophagusbreischluck
- Herzkatheteruntersuchung (mit detailierter Darstellung der Gefäßanatomie)
- Bronchoskopie (bei klinisch ausgeprägtem Stridor)
- Kombinierte Herzkatheteruntersuchung sowie Bronchographie zur Simultandarstellung bei pulmonaler Gefäßschlinge
- Kernspintomographie bzw. Computertomographie mit 3D - Rekonstruktion
Chirurgische Therapiemöglichkeiten
- aberrierende A. subclavia: Durchtrennung und Mobilisation der rechten A. subclavia, evtl. Reimplantation in die Aorta ascendens bei Steal-Phänomen
- doppelter Aortenbogen: Abtrennung des kleineren der beiden Aortenbögen sowie Durchtrennung des Ligamentum arteriosum (in links-posterolateraler Thorakotomie)
- rechtsseitiger Aortenbogen: Durchtrennung des linksseitigen Ligamentum arteriosum (in links-posterolateraler Thorakotomie)
- verlängerter Truncus brachiocephalicus: "Aufhängen" des Truncus (und der Aorta) am posterioren Sternumrand (in rechtslateraler oder medianer Thorakotomie)
- Gefäßschlinge: Implantation der linken Pulmonalarterie in den Pulmonalishauptstamm (unter extrakorporaler Zirkulation, nach medianer Sternotomie), ggf. zusätzlich Trachealresektion
Indikationen
- Symptome der Tracheal- und / oder Ösophaguskompression (Stridor, Dysphagie, rezidivierende bronchopulmonale Infektionen).
Relative Kontraindikationen
- Schwere Nebenerkrankungen
- Manifeste Herzinsuffizienz, wenn Operation nach Rekompensation sinnvoller erscheint
Maßnahmen nach dem Eingriff
- simultane Blutdruckmessung der oberen Extremitäten und unteren Körperhälfte
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
- Cave: Tracheomalazie
Ergebnisse
- Operationsletalität in Abhängigkeit vom Umfang des Eingriffes 0,5 - 10 % (bei optimaler Vorbereitung bzw. bei Notfallindikation)
Nachbehandlung
- Echokardiographische Kontrolle durch Kinderkardiologen ist empfehlenswert.
- Unterbrochener Aortenbogen
Definition / Ätiologie
Eine mangelnde Fusion der drei Aortensegmente führt zum Bild des unterbrochenen Aortenbogens (Inzidenz: etwa 1,5 % aller angeborenen Herz- und Gefäßmißbildungen). Die untere Körperhälfte wird über den offenen Ductus arteriosus perfundiert. In Abhängigkeit der Lokalisation dieser Unterbrechung werden drei Typen (nach Celoria und Patton) unterschieden:
|
Typ |
Lokalisation der Unterbrechung |
relat. Häufigkeit |
|
A |
Aortenisthmus |
25 % |
|
B |
Zwischen linker Arteria carotis und linker Arteria subclavia |
70 % |
|
C |
Zwischen Abgang des Truncus brachiocephalicus und linker Arteria carotis |
4 % |
Es besteht ein großer Links-Rechts Shunt mit Systemdruck im kleinen Kreislauf und Perfusion der unteren Körperhälfte über den Ductus.
Bei einsetzendem Verschluß des Ductus arteriosus resultiert eine Minderperfusion der unteren Körperhälfte (einschließlich Rückenmark, Niere, Leber, Intestinum). Bei hoher Widerstandsbelastung kommt es zu einer Einschränkung der kardialen Pumpfunktion.
Möglichkeiten der Diagnosestellung
- Echokardiographie
- Herzkatheteruntersuchung mit genauer Darstellung der Abgänge der Kopfarterien und zum Ausschluß weiterer Fehlbildungen
Chirurgische Therapiemöglichkeiten
- Anastomosierung der unterbrochenen Aortensegmente im hypothermen Kreislaufstillstand (zum frühestmöglichen Zeitpunkt)
- In Ausnahmefällen: Protheseninterponat; eventuell entweder mit Pulmonalisbändelung bei bestehendem VSD oder mit VSD-Patchverschluß
Indikationen
- Operationsindikation ist bei Diagnosestellung gegeben.
Relative Kontraindikationen
- Schwere Herzinsuffizienz, wenn Operation nach Rekompensation sinnvoller erscheint
Maßnahmen vor dem Eingriff
Offenhalten des Ductus arteriosus mittels Prostaglandin E.
Maßnahmen nach dem Eingriff
- Simultane Blutdruckmessung der oberen und unteren Körperhälfte
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
Ergebnisse
- Operationsletalität: bis zu 40 %
Nachbehandlung
- Echokardiographische Kontrolle durch Kinderkardiologen ist empfehlenswert.
hypoplastisches Linksherzsyndrom, Mitralatresie
Definition / Ätiologie:
Aorten- und Mitralklappe sowie linker Ventrikel erscheinen hochgradig hypo- bis aplastisch. Ferner ist die Aorta ascendens hypoplastisch, so daß die Körper- und Koronarperfusion in der Regel vom offenen Ductus arteriosus abhängt.
Von wesentlicher Bedeutung sind zusätzliche, begleitende Fehlbildungen, wie z.B. partielle oder totale Lungenvenenfehlmündungen mit oder ohne Lungenvenenstenosen
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Echokardiographie
- Herzkatheterisierung und Angiokardiographie (zur Verifizierung des echokardiographischen Befundes und zum Ausschluß weiterer Anomalien)
- Abschätzung der Myokardvitalität (mittels PET)
- Elektrokardiographie, Röntgen-Thorax-Untersuchung
Chirurgische Therapiemöglichkeiten
(Eine anatomische Korrektur dieser Fehlbildung ist nicht möglich, so daß nur palliative und funktionell korrigierende chirurgische Verfahren zur Verfügung stehen.)
- Norwood-Operation (im Neugeborenen-Alter), bidirektionale oder cavopulmonale Anastomose (4. 6. Lebensmonat), totale cavopulmonale Anastomose (nach ca. weiteren 10 Lebensmonaten)
- Herztransplantation (in speziellen Fällen, auch nach Vor-Operation), sofern der Lungengefäßwiderstand normal ist.
Indikationen:
- Operationsindikation bei Diagnosestellung gegeben
Relative Kontraindikationen:
- Schwere Herzinsuffienz, wenn Operation nach Rekompensation sinnvoller erscheint
- Nebenbefunde, die die Erfolgsaussichten der Operation erheblich einschränken
- Zu geringes Geburtsgewicht
- Schwere langdauernde präoperative Stoffwechselentgleisung mit metabolischer Azidose und Anurie
Maßnahmen vor dem Eingriff:
- Sicherung der Körper- und der Koronarperfusion durch Gabe von Prostaglandin E
- Therapie der Herzinsuffizienz
- Perioperative Antibiotika-Prophylaxe (beginnend vor Operationsbeginn bis zum ersten postoperativen Tag in Intervallen von acht Stunden), z. B. mit Cefazolin oder Cefuroxim
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
Ergebnisse:
|
|
Perioperative
Letalität |
Fünfjahres-
überlebensrate |
|
Norwood Operation |
30 40 % |
< 50 % |
|
Fontan-Operation |
» 20 % |
70 80 % |
|
Herztransplantation |
10 20 % |
» 75 % |
- Körperliche Leistungsfähigikeit kann auch nach definitiver Palliation (mittels Fontan-Operation) zeitlebens eingeschränkt bleiben.
- Langzeitverlauf nach Herztransplantation unsicher; ("Privilegierter" Status Neugeborener hinsichtlich des Verlaufs nach Herztransplantation: Einjahres- und Fünfjahresüberlebensrate: ca. 80 %; nicht berücksichtigt die bei breiter Anwendung ins Gewicht fallende Sterblichkeit auf der Warteliste)
Nachbehandlung:
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch (Kinder-) Kardiologen (lebenslang)
- Behandlung möglicher Komplikationen nach Fontan-OP (z.B. Pleuraerguß, Aszites, Eiweißverlustenteropathie, intrapulmonale Fisteln, Dysfunktion des Systemventrikels, AV - Klappeninsuffizienz, Thrombembolien), Lungenvenenstenosen, Tunnelleckagen, etc.
- Immunsuppression nach Herztransplantation (cave: Abstoßung, Infektion)
- Endokarditisprophylaxe
- Vorhofrhythmusstörungen mit evtl. Implantation eines Vorhofschrittmachers durch Thorakotomie
- Kongenitale Herz- und Gefäßfehler mit Links-Rechts-Shunt
- Vorhofseptumdefekt
Definition / Ätiologie:
Beim Vorhofseptumdefekt handelt es sich um einen Substanzdefekt auf Vorhofebene, der mit einem Links-Rechts-Shunt einhergeht. Drei Typen sind hierbei zu unterscheiden:
|
1. |
Primum-Typ: |
Defekt direkt oberhalb der AV-Klappenenbene |
|
2. |
Sekundum-.Typ: |
Defekt im zentralen Anteil des Vorhofseptums im Bereich der Fossa ovalis |
|
3. |
Sinus-venosus-Defekt: |
Defekt unterhalb der Einmündung von oberer Hohlvene (häufig einhergehend mit partieller rechtsseitiger Lungenvenenfehlmündung) |
- Der Ostium primum Defekt (ASD I) gehört in den Fehlbildungskomplex der Endokardkissendefekte.
- Der Ostium secundum Defekt (ASD II) ist mit 80 % die häufigste Fehlbildung dieser Art. Als persistierendes Foramen ovale kommt dieser Defekt bei etwa 30 % aller Menschen vor und hat keinen Krankheitswert.
- Der Sinus venosus Defekt ist in der Regel im oberen, in seltenen Fällen auch im unteren Anteil des Vorhofseptums, unmittelbar an der Einmündung der jeweiligen Hohlvene lokalisiert. Hierbei findet sich gehäuft eine Fehleinmündung der rechten oberen Lungenvene meistens in die Vena cava superior.
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Elektrokardiographie, Röntgen-Thorax-Untersuchung
- Echokardiographie
- Herzkatheterisierung und Angiokardiographie (zur Verifizierung des echokardiographischen Befundes und zum Ausschluß weiterer Anomalien)
Chirurgische Therapiemöglichkeiten:
- Verschluß des Ostium secundum Defektes mittels direkter Naht oder Perikard- bzw. Kunststoff-Patch
- Korrektur des Ostium Primum - Defektes mit Perikard- / Kunststoff Patch sowie des Sinus venosus - Defektes mit Perikard- / Kunststofftunnelpatchplastik zur intraatrialen / intracavalen Umleitung des Lungenvenenblutes via ASD in den linken Vorhof im Kleinkindesalter
Indikationen:
- Bei bedeutsamem Shuntvolumen, möglichst vor der Einschulung
- Im Kleinkindesalter bei Herzvergrößerung, Entwicklungsverzögerung oder Rhythmusstörungen z.B. intermittierendes Vorhofflimmern
Relative / absolute Kontraindikationen:
- Schwere Herzinsuffizienz, wenn Operation nach Rekompensation sinnvoller erscheint
- Eisenmenger-Reaktion bzw. fixierter pulmonaler Hypertonus
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
Ergebnisse:
- Operationssterblichkeit liegt beim Ostium secundum Defekt oder Sinus venosus Defekt unter 1 %; die Lebenserwartung entspricht der der Normalbevölkerung.
- (Lebenserwartung ohne Korrektur: etwa 50 60 Jahre) in Abhängigkeit vom Shuntvolumen
- Rezidive / Restshunts selten; meist übersehene Lungenvenenfehlmündungen
- Herzrhythmusstörungen: Sick Sinus Syndrom, SA-Blockierungen nach Erweiterungsplastiken des cavoatrialen Überganges
Nachbehandlung:
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch Kinderkardiologen empfehlenswert.
- Endokarditisprophylaxe bei Patch-Verschluß (für etwa 6 Monate) und Restdefekten (dauerhaft).
- Ventrikelseptumdefekt
Definition / Ätiologie:
Der isolierte VSD ist mit 20 25 % aller angeborenen Herz-Gefäß-Mißbildungen die häufigste Herzfehlbildung überhaupt. Hierbei werden vier Typen unterschieden.
- Perimembranöser Defekt: Verbindungen im Bereich des membranösen Ventrikelseptums, die an das septale Segel der Trikuspidalklappe und / oder der Aortenklappe angrenzen
- Muskulärer Defekt: einzeln oder multipel (sog. "Swiss-cheese-Defekt") vorkommende Defekt, die rein muskulär begrenzt sind (mittventrikulär / apikal gelegen)
- Sog. "Doubly committed VSD": Kommunikation im Bereich des Konusseptums unterhalb der Aorten- und der Pulmonalklappe
- AV-Kanaltyp (sog. "Inlet-Typ"): Verbindung im Bereich des Einlaßseptums des rechten Ventrikels
Bei etwa 50 % der Patienten ist der VSD in Kombination mit weiteren angeborenen Herzgefäßfehlern anzutreffen.
Im Verlauf des ersten Lebensjahres erfolgt häufig eine Verkleinerung des Defektes, die bis zum Spontanverschluß führen kann. Bei großem Ventrikelseptumdefekt besteht die Gefahr einer fixierten pulmonalen Hypertension.
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Elektrokardiographie, Röntgen-Thorax-Untersuchung
- Echokardiographie
- Herzkatheterisierung und Angiokardiographie (zur Verifizierung des echokardiographischen Befundes und zum Ausschluß weiterer Anomalien)
Chirurgische Therapiemöglichkeiten:
- Verschluß des Defektes mittels Perikard- oder Kunststoff-Patch. Ggf. kann eine Direktnaht ausreichend sein.
Indikationen:
- VSD mit einem Links-Rechts-Shunt > 30 % sowie systolischen Pulmonalisdruckwerten > 30 mmHg (Operation im Vorschulalter)
- Großer Defekt mit beginnender Herzinsuffizienz / pulmonaler Hypertonus (Operation innerhalb der ersten Lebensmonate)
- Palliatives "Banding" der Pulmonalarterie nur bei multiplen muskulären Defekten oder beim Vorliegen komplexer kardiovaskulärer Fehlbildungen
Relative Kontraindikationen:
- Schwere, dekompensierte Herzinsuffizienz, wenn Operation nach Rekompensation sinnvoller erscheint
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
Ergebnisse:
- Operationsletalität bei unkompliziertem, isolierten VSD unter 5 %
- Gefahr der Verletzung des Reizleitungssystems, welches in unmittelbarer Nachbarschaft des Defektrandes liegen kann; dies kann wiederum zum totalen AV-Block und zur Schrittmacherpflichtigkeit führen
Nachbehandlung:
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch Kinderkardiologen empfehlenswert.
- Endokarditisprophylaxe bei Patch-Verschluß und Restdefekten.
- Atrioventrikulärer Septumdefekt (AVSD)
Definition / Ätiologie:
Das atrioventrikuläre Septum fehlt teilweise oder vollständig; die atrioventrikulären Klappen weisen variable Fehlbildungen auf. Diese Erkrankung macht etwa 4 % aller angeborenen Herzfehler aus und geht in etwa 70 % der Fälle mit einem sog. "Down-Syndrom" einher. Entsprechend der Morphologie der Atrioventrikular-Klappe werden unterschieden:
- Beim inkompletten (partiellen) atrioventrikulären Septumdefekt finden sich ein ASD I, zwei AV-Klappenringe sowie ein funktionell intaktes Ventrikelseptum. Die Segel sind am Oberrand des Ventrikelseptums fixiert. Es besteht fast immer eine sog. Spaltbildung des linken medialen AV-Klappensegels.
- Demgegemüber liegt beim kompletten atrioventrikulären Septumdefekt in der Regel eine gemeinsame AV-Klappe und ein großer VSD vor; eine gemeinsame Fixierung der Segel am Septum fehlt. (Dies geht häufig einher mit einem großen Links-Rechts-Shunt, gelegentlich auch schwerer AV-Klappeninsuffizienz, pulmonaler Hypertension und Herzinsuffizienz.)
- Sind beide AV-Klappen beeinträchtigt, ohne daß eine subvalvulär interventrikuläre Kommunikation besteht, so spricht man von einem AVSD vom intermediären Typ.
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Elektrokardiographie, Röntgen-Thorax-Untersuchung
- Echokardiographie
- Herzkatheterisierung und Angiokardiographie (zur Verifizierung des echokardiographischen Befundes und zum Ausschluß weiterer Anomalien) sowie Messung des pulmonalarteriolären Widerstandes
Chirurgische Therapiemöglichkeiten:
- Verschluß der Septumdefekte durch Implantation eines Patches oder von zwei Patches und Rekonstruktion der AV-Klappen
Indikationen:
- Beim inkompletten AVSD: Korrekturoperation im 3. bis 5. Lebensjahr, da eine pulmonale Hypertonie in der Regel nicht vorliegt
- Beim kompletten AVSD: Korrekturoperation im Säuglingsalter wegen der Gefahr der Herzinsuffizienz und möglicher Entwicklung einer fixierten pulmonalen Hypertonie (im 3. 6- Lebensmonat), die eine Korrektur-OP verbietet
Relative Kontraindikationen:
- Schwere Herzinsuffizienz, wenn Operation nach Rekompensation sinnvoller erscheint
- Fixierte pulmonale Hypertonie, Eisenmenger-Reaktion mit Shunt-Umkehr
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
Ergebnisse:
- Beim inkompletten AVSD: Operationsletalität (abhängig vom präoperativen Ausmaß der Mitralinsuffizienz): etwa 5 %
- Beim kompletten AVSD: Operationsletalität (abhängig vom Grad der präoperativen Herzinsuffizienz und AV-Klappenbefund): etwa 10 %
Nachbehandlung:
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch Kinderkardiologen empfehlenswert.
- Endokarditisprophylaxe bei Patch-Verschluß und Restdefekten.
- Persistierender Ductus arteriosus Botalli
Definition / Ätiologie:
Die fetale Gefäßverbindung zwischen Arteria pulmonalis und Aorta descendens persistiert über die ersten drei Lebensmonate hinaus. Spontanverschlüsse sind auch zu einem späteren Zeitpunkt noch möglich. Großkalibrige Ductus können aufgrund des großen Links-Rechts-Shunts zu pulmonaler Widerstandserhöhung und Herzinsuffizienz führen. Isoliert tritt diese Fehlbildung bei 12 % aller angeborenen Herz- und Gefäßmißbildungen auf. Bei Frühgeburten liegt die Inzidenz deutlich höher (75 % aller in der 28. 30 .SSW geborenen Kinder).
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Elektrokardiographie, Röntgen-Thorax-Untersuchung
- Echokardiographie
- Herzkatheterisierung und Angiokardiographie (zur Verifizierung des echokardiographischen Befundes und zum Ausschluß weiterer Anomalien)
Chirurgische Therapiemöglichkeiten:
- Verschluß des Ductus (Durchtrennung oder Ligatur) bei Kindern > 1 Jahr
bzw. Mehrfachligatur bei Frühgeborenen und Kindern < 1 Jahr
- Ductus-Verschluß durch Metallclip (u.U. in minimal-invasiver Technik in ausgewählten Fällen, vor allem bei Frühgeborenen)
- In ausgewählten Fällen: interventioneller Verschluß durch "Occluder"
Indikationen:
- Großer, hämodynamisch wirksamer Ductus
- Jede Art von Links-Rechts Shunt über den Ductus (wegen erhöhter Endokarditisgefahr)
Relative Kontraindikationen:
- Schwere Herzinsuffizienz, wenn Operation nach Rekompensation sinnvoller erscheint
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaja
Ergebnisse:
- Operationsletalität liegt nach operativem Ductusverschluß unter 1%
Nachbehandlung:
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch Kinderkardiologen empfehlenswert.
- Truncus arteriosus
Definition / Ätiologie:
Wegen ausbleibender Septierung des Truncus arteriosus in der Embryonalzeit entspringt nur ein großes Gefäß den Septumdefekt überleitend aus der Basis des Herzens. Von diesem Gefäß wird die Perfusion von Pulmonalarterie, Aorta und Koronarien gewährleistet. Es besteht die intrakardiale Situation einer Fallot Tetralogie. Der VSD liegt unmittelbar unterhalb der Truncusklappe, die in etwa 50 % der Fälle insuffizient ist. Entsprechend des Abganges der Pulmonalarterien erfolgt die Klassifikation in die Typen I IV nach Collet und Edwards bzw. A1 A4 nach Van Praagh:
I. / A1 Ein kurzer Pulmonalstamm entspringt links dorsolateral und teilt sich in zwei Pulmonalarterien auf (50 60 %)
II. / A2 Zwei getrennte Pulmonalarterien entspringen nahe beieinanderliegend aus dem Truncus arteriosus.
III. / A2 Zwei getrennte Pulmonalarterien entspringen weit voneinander getrennt lateral aus dem Truncus arteriosus.
A3 Aus dem Truncus oberhalb der Sinus Valsalvae entspringt nur ein Pulmonalarterienhauptast und versorgt eine Lunge, wohingegen die Lunge der anderen Seite über aortopulmonale Anastomosen oder über eine vom Aortenbogen oder von der deszendierenden Aorta fehlabgehenden Pulmonalarterie perfundiert wird.
A4 Bei gemeinsamer Truncusklappe gehen bilateral zwei Pulmonalisäste aus dem Truncus ab. Die Aorta ascendens, welche rechts anterior aus dem Truncus entspringt, ist schmal und hypoplastisch und weist im weiteren Verlauf eine präduktale Hypoplasie, eine Aortenisthmusstensoe oder atresie auf.
IV. Bei fehlenden Pulmonalarterien wird die Lunge über Bronchialarterien oder aorto-pulmonale Kollateralen aus der deszendierenden Aorta versorgt. (Kein Truncus arteriosus im eigentlichen Sinne, sondern eine Pulmonalatresie mit multifokaler Lungenperfusion.)
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Herzkatheterisierung und Angiokardiographie mit exakter Bestimmung der pulmonalen Druckverhältnisse
- Elektrokardiographie, Röntgen-Thorax-Untersuchung
- Echokardiographie
chirurgische Therapiemöglichkeiten:
- Anastomosierung der Pulmonalarterie mittels Homograft oder PTFE-Prothese an den rechten Ventrikel
- Verschluß des VSD mittels Patch
- Plastische Rekonstruktion der Truncusklappe bei höhergradiger Insuffizienz
- Ersatz der Truncusklappe bei höhergradiger Insuffizienz
Indikationen:
- Operationsindikation bei Diagnosestellung (unbehandelt versterben 75 % der Kinder innerhalb der ersten 3 Monate, allerdings ist bei deutlich erhöhtem Lungengefäßwiderstand eine operative Korrektur nicht mehr möglich)
- Chirurgische Korrektur innerhalb der ersten 3 Lebensmonate (wegen hoher Gefahr von Herzinsuffizienz und obstruktiver Lungengefäßerkrankung)
Kontraindikationen:
- Schwere Herzinsuffizienz
- deutlich erhöhter (fixierter) pulmonaler Gefäßwiderstand
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
Ergebnisse:
- Operationsletalität (in Abhängigkeit von den pulmonalvaskulären Veränderungen und der Truncusklappeninsuffizienz): 10 20 %
- Überlebenrate nach 5 Jahren etwa 85 % und nach 10 Jahren noch 70 %
Nachbehandlung:
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch (Kinder-) Kardiologen (lebenslang)
- Behandlung möglicher Komplikationen (Truncusklappeninsuffizienz)
- Endokarditisprophylaxe
- mehrfache Nachoperationen bei Klappendegeneration im rechtsventrikulären Ausflußtrakt erforderlich
- Univentrikuläre atrioventrikuläre Konnektion (Double Inlet Ventricle, DILV)
Definition / Ätiologie:
Bei univentrikulärer AV-Konnektion liegt funktionell ein singulärer Ventrikel vor. Morphologie und Formen der univentrikulären AV-Konnektion sind sehr unterschiedlich. Von wesentlicher Bedeutung sind zusätzliche, begleitende Fehlbildungen, wie z.B. Pulmonalstenose / -atresie, Subaortenstenose, Aortenisthmusstenose, Isomerie-Komplex.
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Echokardiographie
- Herzkatheterisierung und Angiokardiographie (zur Verifizierung des echokardiographischen Befundes und zum Ausschluß weiterer Anomalien)
- Elektrokardiographie, Röntgen-Thorax-Untersuchung
Chirurgische Therapiemöglichkeiten:
(Eine anatomische Korrektur dieser Fehlbildung ist nicht möglich, so daß nur palliative und funktionell korrigierende chirurgische Verfahren zur Verfügung stehen.)
- bei Lungenminderperfusion: aortopulmonaler Shunt (bei Neugeborenen und jungen Säuglingen), ggf. ersetzt zwischen dem 6. und 18. Lebensmonat durch den cavopulmonalen Shunt nach Glenn
- bei Lungenüberdurchblutung: "Banding" der Pulmonalarterie und Beseitigung linksventrikulärer Obstruktionen
- ggf. aortopulmonale Anastomose und Damus Kaye Stanzel - Operation + modifizierter Blalock-Taussig - Shunt
- Kreislaufstrennung nach dem Fontanschen Prinzip, d.h. Anlage einer cavopulmonalen Anastomose (bevorzugt zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr) definitive Palliation außerhalb der Säuglingsperiode des 3. Lebensmonats.
Indikationen:
- Operationsindiaktion bei Diagnosestellung gegeben
Relative Kontraindikationen:
- Schwere Herzinsuffizienz, wenn Operation nach Rekompensation sinnvoller erscheint
Maßnahmen vor dem Eingriff:
- Sicherung der Lungenperfusion durch Gabe von Prostaglandin E
- Therapie der Herzinsuffizienz
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
Ergebnisse:
- Operationsletalität (bei Fontan-Operation): bis 20 %
- Körperliche Leistungsfähigkeit kann auch nach Palliation mittels Fontan-Operation zeitlebens eingeschränkt bleiben
Nachbehandlung:
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch (Kinder-) Kardiologen (lebenslang)
- Behandlung möglicher Komplikationen nach Fontan-OP (z.B. Pleuraerguß, Aszites, Eiweißverlustenteropathie, intrapulmonale Fisteln, Dysfunktion des Systemventrikels, AV - Klappeninsuffizienz, Thrombembolien)
- Endokarditisprophylaxe
- Kongenitale Herzfehler mit primärer Zyanose
- Fallotsche Tetralogie
Definition / Ätiologie:
Die Fallotsche Tetralogie stellt ein zyanotisches Herzvitium dar, welches eine Fehlverlagerung des Konusseptums nach anterior aufweist:
- hochgradige Pulmonalstenose (valvulär oder subvalvulär) bzw.
Pulmonalagenesie bzw.
Pulmonalatresie
- Hypertrophie des rechten Ventrikels
- subaortaler Ventrikelseptumdefekt
- über dem Ventrikelseptumdefekt reitende, dextroponierte Aorta
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Echokardiographie
- Herzkatheterisierung und Angiokardiographie mit Messung des Lungengefäß-widerstandes
- Pulsoxymetrie, Blutgasanalyse
- Elektrokardiographie, Röntgen-Thorax-Untersuchung
Chirurgische Therapiemöglichkeiten:
- Korrekturoperation (mit VSD-Verschluß, Beseitigung stenosierender Muskelbündel im Infundibulum, Kommissurotomie der Pulmonalklappe, ggf. transanulärer / nicht-transanulärer Patch des RVOT) ab einem Körpergewicht von 4 5 kg, innerhalb der ersten beiden Lebensjahre (möglichst Frühkorrektur ab dem 3. Lebensmonat)
- Palliativ-Operation (arterio- oder aorto-pulmonaler Shunt, z.B. Blalock-Taussig-Anastomose oder Erweiterung des rechtsventrikulären Ausflußtraktes als antegrade Eröffnung) bei hypoplastischen Pulmonalarterien. (Hierdurch kann ggf. ein Wachstum der hypoplastischen Pulmonalgefäße sowie eine Verbesserung der Lungendurchblutung erzielt werden, was Voraussetzung für eine eventuelle Korrekturoperation darstellt.)
Indikationen:
- Operationsindikation bei Diagnosestellung gegeben
Kontraindikationen:
- Schwere Herzinsuffizienz, wenn Operation nach Rekompensation sinnvoller erscheint
Maßnahmen vor dem Eingriff:
- Sicherung der Lungenperfusion durch Gabe von Prostaglandin E
- Therapie der Herzinsuffizienz
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
Ergebnisse:
- Frühletalität (in Abhängigkeit von Gewicht, weiteren kardiovaskulären Fehlbildungen): 5 10 %
- Rezidiveingriff ggf. erforderlich bei hohem Restgradienten über dem rechtsventrikulären Ausflußtrakt, bei Rest-VSD, bei Pulmonalklappeninsuffizienz und vor allem bei hohem Lungengefäßwiderstand (entscheidend ist die Entwicklung der peripheren Lungenstrombahn)
Nachbehandlung:
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch (Kinder-) Kardiologen (lebenslang)
- Überwachung von Restdefekten (rechtsventrikuläre Dysfunktion, Pulmonalinsuffizienz)
- Endokarditisprophylaxe
- Double Outlet Right Ventricle (DORV)
Definition / Ätiologie:
Aorta und Pulmonalarterie entspringen aus dem rechten Ventrikel, wobei ein Gefäß vollständig und das andere zu mehr als 50 % dem rechten Ventrikel zugeordnet werden muß. Die Lagebeziehung der Gefäße ist hierbei variabel und wird dementsprechend als Normalstellung, D-Malposition oder L-Malposition bezeichnet. Beim typischen DORV ist die aorto-mitrale Kontinuität aufgehoben. Der obligate Ventrikelseptumdefekt kann subarteriell, muskulär oder im Einlaßseptum lokalisiert sein. Häufig assoziiert sind eine Pulmonalstenose (valvulär, subvalvulär), eine Aortenstenose (valvulär, Aortenisthmus) sowie ein Vorhofseptumdefekt. Eine generalisierte Zyanose ist klassischerweise bei hochgradiger Pulmonalstenose (Fallot-Morphologie). Bei subpulmonalem Ventrikelseptumdefekt mit TGA Stellung der Großen Arterien und "side by side" Stellung liegt der klassische Taussig-Bing-Komplex vor.
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Echokardiographie
- Herzkatheterisierung und Angiokardiographie mit genauer Darstellung der Lungenperfusion sowie Messung des Lungengefäßwiderstandes
- Elektrokardiographie, Röntgen-Thorax-Untersuchung
Chirurgische Therapiemöglichkeiten:
- primäre intraventrikuläre Korrektur (vor allem bei subaortalem VSD möglich); Vorhofumkehr oder arterielle Switch-Operation (mit VSD-Verschluß), Operation nach Fontan (z.B. bei abseits der Großen Arterien liegendem VSD)
- bei hochgradiger Zyanose infolge Lungenminderdurchblutung: aorto-pulmonaler Shunt (palliativ)
Indikationen:
- Operationsindikation ist bei Diagnosestellung gegeben.
Relative Kontraindikationen:
- Schwere Herzinsuffizienz, wenn Operation nach Rekompensation sinnvoller erscheint
- Maßnahmen vor dem Eingriff:
- Sicherung der Lungenperfusion durch Gabe von Prostaglandin E
- Therapie der Herzinsuffizienz
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
Ergebnisse:
- Langzeitprognose abhängig von der durchgeführten Operation (anatomische Korrektur, definitive Palliation)
Nachbehandlung:
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch (Kinder-) Kardiologen (lebenslang)
- Behandlung möglicher Komplikationen nach Fontan-OP (Pleuraerguß, Aszites, Eiweißverlustenteropathie, intrapulmonale Fisteln, Dysfunktion des Systemventrikels, AV - Klappeninsuffizienz, Thrombembolien)
- Endokarditisprophylaxe
- Pulmonalatresie
Definition / Ätiologie:
A) Pulmonalatresie mit Ventrikelseptumdefekt:
Zyanotisches Herzvitium, das als extreme Variante der Fallotschen Tetralogie anzusehen ist (subaortaler VSD, überreitende Aorta, Atresie der Pulmonalklappe). Zusätzlich sind darüberhinaus eine Atresie des Pulmonalarterienstamms und / oder eine Atresie der zentralen Pulmonalarterien zu beobachten. Die Lungenperfusion erfolgt retrograd über die Aorta durch einen persistierenden Ductus arteriosus oder über systemisch-pulmonale Kollateralen, sog. major aortopulmonary collateral arteries = MAPCAS.
B) Pulmonalatresie mit intaktem Ventrikelseptum:
Kongenitale Atresie der Pulmonalklappe ohne einen begleitenden Ventrikelseptumdefekt. Morphologie und Größe von Trikuspidalklappe und rechtem Ventrikel sind variabel. Bei einem hypoplastischen, hypertensiven rechten Ventrikel finden sich häufig Anomalien der Koronararterien (Fisteln, Stenosen, Myokardsinusoide). Die Lungenperfusion wird meist über einen persistierend - offenen Ductus arteriosus aufrechterhalten.
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Elektrokardiographie, Röntgen-Thorax-Untersuchung
- Echokardiographie
- Herzkatheterisierung und Angiokardiographie mit genauer Darstellung der Lungenperfusion sowie von Koronaranomalien
- Messung des Lungengefäßwiderstandes
Chirurgische Therapiemöglichkeiten:
- eine Korrekturoperation ist bei ausgeprägten Stenosen / Hypoplasien der Pulmonalarterien nur bedingt bzw. nicht möglich;
mögliche Alternative: Herz-(Lungen-) Transplantation
- palliativ: Anlage eines aortopulmonalen Shunts, Erweiterung des rechtsventrikulären Ausflußtraktes mit transanulärem Patch oder klappentragendem Xeno- / Homograft
- definitiv: anatomische Korrektur (Unifokalisierung der MAPCA); Kreislauftrennung nach dem Fontan-Prinzip oder ggf. biventrikuläre Korrektur
- in ausgewählten Fällen: interventionell mit Ballondilatation bei membranösem Pulmonalklappenverschluß
Indikationen:
- Operationsindikation ist bei Diagnosestellung gegeben.
Relative Kontraindikationen:
- Schwere, dekompensierte Herzinsuffizienz
Maßnahmen vor dem Eingriff:
- Sicherung der Lungenperfusion durch Gabe von Prostaglandin E
- Therapie der Herzinsuffizienz
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
Ergebnisse:
- Operationsletalität bei anatomischer Korrektur (Kreislauftrennung nach Fontan bzw. biventrikuläre Korrektur): etwa 15 % - 20 %
- Langzeitprognose abhängig vom Ausmaß der Stenose / Hypoplasie der Pulmonalarterien
Nachbehandlung:
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch (Kinder-) Kardiologen (lebenslang)
- Nach Korrektur: Funktionskontrolle der Verbindung zwischen rechtem Ventrikel und Pulmonalarterie
- Nach Palliation: Kontrolle der regelrechten Funktion aorto-pulmonaler Shunts und der Verbesserung der Pulmonalperfusion
- Kontrolle von Größe und Funkton des rechten Ventrikels sowie der Myokardperfusion
Behandlung möglicher Komplikationen nach Fontan-OP (z.B. Pleuraerguß, Aszites, Eiweißverlustenteropathie, intrapulmonale Fisteln, Dysfunktion des Systemventrikels, AV - Klappeninsuffizienz, Thrombembolien)
- Transposition der Großen Arterien (TGA)
Definition / Ätiologie:
Bei diesem zyanotischen Herzvitium entspringt die Aorta fälschlicherweise aus einem anatomisch rechten Ventrikel und die Pulmonalarterie aus dem anatomisch linken Ventrikel (ventrikulo-arterielle Diskordanz). Bei Normallage der Ventrikel zueinander handelt es sich um eine d-TGA. Als häufige Begleitfehlbildungen sind zu nennen der Ventrikelseptumdefekt, die Obstruktion der linksventrikulären Ausflußbahn sowie die Aortenisthmusstenose. 8 % aller Kinder mit angeborenen Herz- und Gefäßmißbildungen leiden an einer solchen Transposition.
Morphologisch sind hierbei drei Gruppen zu unterscheiden:
- d-TGA mit intaktem Ventrikelspetum (50 %) = d-TGA simplex
- d-TGA mit VSD (25 %)
- d-TGA mit Pulmonalstenose mit / ohne VSD (25 %)
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Herzkatheterisierung und Angiokardiographie, Druckmessung und Messung des Lungengefäßwiderstandes
- Elektrokardiographie, Röntgen-Thorax-Untersuchung
- Echokardiographie
Chirurgische Therapiemöglichkeiten:
- anatomische Korrektur ("arterial switch"), evtl. mit VSD-Verschluß.
Falls der rechtsventrikuläre Druck < 60 % des Systemdrucks beträgt ® zweizeitige anatomische Korrektur: zuerst Pulmonalisbanding (zur Myokardkonditionierung) + Blalock-Taussig Shunt, dann eine Woche später anatomische Korrektur
- Vorhofumkehr nach Mustard oder Senning ("atrial switch") bei Diagnose nach dem sechsten Lebensmonat oder selten bei kompliziertem Abgang / Verlauf der Koronarien
- Intraventrikuläre Korrektur nach Rastelli mit RV-Konduit bei d-TGA mit Subpulmonalstenosen
Indikationen:
- Operationsindikation ist mit der Diagnosestellung gegeben
Relative Kontraindikationen:
- Schwere Herzinsuffizienz, wenn Operation nach Rekompensation sinnvoller erscheint
Maßnahmen vor dem Eingriff:
- Stationäre Betreuung mit intensivmedizinischer Überwachung obligat
- Ballonatrioseptostomie (Rashkind) als Palliativmaßnahme bis zur Operation
- Bei kritischer Hypoxämie Prostaglandinbehandlung bis zur Operation
- Behandlung der Herzinsuffizienz
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
Ergebnisse:
- Operationsletaltität: Anatomische Korrektur: etwa 15 %
Vorhofumkehr: etwa 5 %
Intraventrikuläre Korrektur: 10 30 %
Nachbehandlung:
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch (Kinder-) Kardiologen (lebenslang)
- Endokarditisprophylaxe bei Restdefekten
- Evtl. Folgeoperationen: z.B. Konduitwechsel nach Rastelli-OP
- Totale Lungenvenenfehlmündung
Definition / Ätiologie:
Keine der Lungenvenen mündet in den linken Vorhof, sondern drainieren in systemvenöse Kreislaufabschnitte oder in den rechten Vorhof. Daher sind Stauungszeichen und Zyanose typisch für dieses Krankheitsbild. Entsprechend der topographischen Beziehung zwischen dem Pulmonalvenensinus einerseits und den Systemvenen bzw. dem rechten Vorhof andererseits werden vier Typen der totalen Lungenvenenfehlmündung unterschieden:
- Suprakardialer Typ (mit linksseitiger Vertikalvene): 40 50 %
- Kardialer Typ: 30 %
- Infrakardialer Typ: 13 % (häufig infradiaphragmale Mündung in das Vena portae System)
- Gemischter Typ: 7 %
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Elektrokardiographie, Röntgen-Thorax-Untersuchung (Schneemannkonfiguration !)
- Echokardiographie
- Herzkatheterisierung und Angiokardiographie (zur Verifizierung eines unsicheren echokardiographischen Befundes und zum Ausschluß weiterer Anomalien)
Chirurgische Therapiemöglichkeiten:
- Frühzeitige funktionelle Totalkorrektur (in hypothermem Kreislaufstillstand bei kardioplegisch stillgelegtem Herzen) mit Herstellung einer Verbindung zwischen dem pulmonalvenösen System und dem linken Vorhof, Unterbindung aller anomalen Verbindungen des pulmonalvenösen zum systemvenösen System, Verschluß intrakardialer Shuntverbindungen
Indikationen:
- Operationsindikation ist mit Diagnosestellung gegeben (unbehandelt versterben 75 % der Kinder innerhalb des ersten Lebensjahres !)
Relative Kontraindikationen:
- Schwere Herzinsuffizienz, wenn Operation nach Rekompensation sinnvoller erscheint
Maßnahmen vor dem Eingriff:
- Therapie der Herzinsuffizienz
- Atrioseptostomie nach Rashkind bei restriktivem Foramen ovale
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
Ergebnisse:
- Operationsletalität (im Säuglingsalter): 15 % (in Abhängigkeit von der Morphologie)
Nachbehandlung:
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch Kinderkardiologen empfehlenswert.
- Evtl. Folgeoperation: z.B. pulmonalvenöse Obstruktion frühzeitig erkennen und rechtzeitig nachoperieren
- Endokarditisprophylaxe nur bei Begleitfehlbildungen erforderlich.
- Erkrankungen des Koronararteriellen Systems
- Bland White Garland Syndrom (BWG)
Definition / Ätiologie:
Beim Bland White Garland - Syndrom entspringen die Koronargefäße aus der Arteria pulmonalis. Bei jedem Säugling mit eingeschränkter LV-Funktion und / oder Mitralklappeninsuffizienz unklarer Ursache sollte an ein solches BWG - Syndrom gedacht werden (wichtige DD zu einer DCM). Klinische Symptome manifestieren sich typischerweise in den ersten Lebenstagen nach einer unauffälligen Neugeborenenperiode. Dies beruht auf einem Links-Rechts Shunt, der erst nach Absinken des Pulmonalisdruckes nach der Neugeborenenperiode mit "steal" Phänomen über die linke Koronararterie auftritt.
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Herzkatheterisierung und Angiokardiographie
- Pulsoxymetrie, Blutgasanalyse
Chirurgische Therapiemöglichkeiten:
- Direktimplantation der Koronarie in die Aorta oder intrapulmonale Tunnelplastik mit Anlage eines aortopulmonalen Fensters
- Bei größeren Kindern bzw. Rezidiveingriffen ggf. aorto-koronarer Bypass unter Verwendung der A. thoracica interna
- Leitlinien zur chirurgischen Therapie des Aortenaneurysmas bzw. der Aortendissektion
Definition/Ätiologie:
(Chronische) Aortenaneurysmen sind Erweiterungen der Aorta, bei deren Entstehung vor allem arterieller Hypertonus, Texturveränderungen der Gefäßwand (Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos Syndrom, Morgagni-Turner-Albright-Syndrom), das Vorliegen einer bikuspiden Aortenklappe oder einer Isthmusstenose sowie altersbedingte Degeneration und traumatische Einflüsse bedeutend sind.
Reißt die Gefäßinnenwand (Tunica media und Tunica intima) ein, so resultiert eine (akute Aortendissektion mit der Ausbildung eines falschen Gefäßlumens. Hierbei besteht die Gefahr einer Gefäßruptur nach außen sowie einer Verlegung von Gefäßabgängen nach innen. Solche Dissektionen (geschätzte Gesamtinzidenz: 0,32 0/00) sind meist in der Aorta ascendens lokalisiert (68 %), seltener im Arcus aortae (10 %) oder in Aorta descendens (20 %) bzw. Aorta abdominalis (2 %). Hierbei ist die akute (bis 14 Tage nach dem Ereignis) von der chronischen (mehr als 14 Tage nach dem Ereignis) Dissektion zu unterscheiden.
Die traumatische Aortentranssektion ist eine Dehiszenz aller oder einzelner Aortenwandschichten, die auf ein Thoraxtrauma zurückzuführen ist.
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Echokardiographie (transösophageal)
- Lävokardiographie, Aortographie
- Computertomographie
- MNR-Tomographie
Diagnosen:
Neben anderen Nomenklaturen erfolgt die Einteilung der Aortendissektion nach De Bakey entsprechend Ausdehnung und Lokalisation:
- Typ I: Dissektion umfaßt Aorta ascendens, Aortenbogen mit Ausdehnung auf
Aorta thoracalis bzw. abdominalis.
- TypII: Die Dissektion ist auf die Aorta ascendens begrenzt.
- Typ III: Die Dissektion nimmt ihren Ursprung im Bereich distal der
linken Arteria subclavia und umfaßt die thorakale Aorta (Typ IIIa) oder
dehnt sich aus bis zur abdominellen Aorta (Typ IIIb).
Die Einteilung nach Stanford umfaßt demgegenüber nur zwei Typen:
- Typ A: Dissektion der ascendierenden Aorta mit bzw. ohne Bogen- und
Descendensbeteiligung (entsprechend DeBakey Typ I + II)
- Typ B: Dissektion der descendierenden Aorta (entsprechend DeBakey Typ III)
chirurgische Therapiemöglichkeiten:
Ziel einer chirurgischen Therapie ist die Verhinderung der Ruptur, eine Wiederherstellung der Perfusion ischämischer Regionen sowie die Korrektur einer Aorteninsuffizienz.
a) Aorten rekonstruierende Maßnahmen:
- Beseitigung des "Entry"
- Proximale und distale Wandstabilisierung (Sandwich-Naht, Verwendung von Kleber)
- End zu End Anastomose
b) Ersatz der Aorta unter Verwendung:
- Kunststoff-Prothese (ggf. nur suprakoronar)
- Klappen tragendes Konduit
Indikationen:
- drohende Ruptur
- Perikardtamponade (bei akuter Dissektion)
- Dissektion abgehender Gefäßäste mit resultierender Ischämie
- Aortenklappeninsuffizienz
relative Kontraindikationen:
- Operationsrisiko höher als der zu erwartende Nutzen
- Schwere kardiozirkulatorische Insuffizienz
(demgegenüber dringliche Indikation bei Tamponade oder Blutung, besonders bei traumatischer Transsektion)
- chronische oder maligne Zusatzerkrankungen, die einen Gewinn des Patienten durch die Operation unwahrscheinlich erscheinen lassen
Maßnahmen vor dem Eingriff:
- Koronarangiographie (nicht obligat)
- Echokardiographie (transösophageal) und Echo-Doppler-Untersuchung
- medikamentöse Behandlung der Herzinsuffizienz
- Untersuchung der hirnversorgenden Blutgefäße, ganz entscheidend bei Verdacht auf Dissektion der hirnversorgenden Arterien
Maßnahmen während des Eingriffs:
- Zerebrale Protektion bei Beteiligung des Aortenbogens durch hypothermen Kreislaufstillstand (12 14 °C; Dauer: ca. 40 min), selektive Perfusion der supraaortalen Äste, retrograde zerebrale Perfusion
- Vermeidung von Rückenmarksschädigung durch Hypothermie (Ganzkörper oder lokal), Perfusion der distalen Aorta (mittels aorto-aortalem Shunt, Linksherzbypass, totalem Bypass) sowie stufenweiser Anastomosierung der Interkostalarterien bei Operation an der Aorta descendens
- Perioperative Antibiotika-Prophylaxe (beginnend vor Operationsbeginn bis zum ersten postoperativen Tag in Intervallen von acht Stunden), z. B. mit Cefazolin oder Cefuroxim
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt, besonders wichtig bei Aortendissektion, um periphere Ischämien durch Gefäßwandverlegung frühzeitig zu erkennen
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status vor allem der Funktion des zentralen Nervensystems zum Ausschluß von Paraplegien, Hemiplegien und Paraparesen sowie zum Ausschluß von Ischämien der oberen und unteren Extremitäten bei Aortendissektionen unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
Ergebnisse:
- Perioperative Letalität (in Abhängigkeit von Alter des Patienten, Begleit-erkrankungen, Dringlichkeit):
|
Lokalisation |
dissezierendes Aneurysma |
chronisches Aneurysma |
|
- Ascendens |
7 17 % |
4 10 % |
|
- Aortenbogen |
20 30 % |
5 25 % |
|
- Descendens |
5 15 % |
5 15 %
|
Langzeitprognose ist mitbestimmt durch die auslösende Grunderkrankung; Überlebensrate (für Aortenbogen-Ascendensaneurysmen) 5 Jahre nach Operation etwa 50 % und 10 Jahre nach Operation etwa 20 %.
Nachbehandlung:
- medikamentöse Therapie mit Antikoagulantien (bei Aortenklappenersatz) oder Thrombozytenaggregationshemmern
- Entlassung innerhalb von etwa 3 - 4 Wochen bei unkompliziertem Verlauf;
verlängerter Krankenhausaufenthalt bei prä- und postoperativen Komplikationen
- Anschlußheilbehandlung, Rehabilitationsmaßnahmen
- Voraussetzungen für einen Langzeiterfolg sind regelmäßige Kontrollunter-suchungen (Echokardiographie, Computertomographie) sowie suffiziente Bluthochdrucktherapie.
- Leitlinien zur Herztransplantation
Definition:
Bei der orthotopen Herztransplantation wird das kranke Empfängerherz durch das gesunde Herz eines Spenders ersetzt. Hierbei wird das kranke Empfängerherz entweder unter teilweiser Belassung beider Vorhöfe (Hohlvenen, Lungenvenen) oder unter Belassung nur des linken Vorhofes entfernt. Das gesunde Herz eines Spenders wird eingeplanzt, indem Spender- und Empfängervorhöfe bzw. linker Vorhof und Hohlvenen, sowie Aorta ascendens und Arteria pulmonalis anastomosiert werden.
Möglichkeiten der Diagnosestellung (terminale Herzinsuffizienz):
- Funktionsmessung des linken Ventrikels
- Myokard-Szintigraphie, Koronarangiographie, PET, Streß-Echokardiographie
- Myokardbiopsie
Anforderungen an den Herzspender:
- Abgeschlossene Hirntoddiagnostik
- Lebensalter möglichst unter 60 Jahren
- Keine pathologischen EKG-Veränderungen, normaler Herzbefund
- keine unerklärten, länger anhaltenden hypotonen Episoden nach dem den Hirntod hervorrufenden Trauma,
keine längerdauernde Reanimation
- Auschluß eines schweren Thoraxtraumas
- Ausschluß von infektiösen, entzündlichen sowie malignen Erkrankungen
Protektion des Spenderherzens
- Heparinisierung des Spenderorganismus
- Entlastung des Herzens
- Infusion einer kalten Konservierungslösung sowie äußere Kühlung
- hypotherme Lagerung beim Transport (+2°C)
- externe Kühlung während der Transplantation
Indikationen:
- Herzinsuffizienz mit einer Lebenserwartung von wenigen Wochen bzw. Monaten
- medikamentös, interventionell und chirurgisch nicht behandelbarer Herzerkrankung
Häufigkeit der Indikationen (Angaben des vergangenen Jahres laut ISHLT):
koronare Herzkrankheit 46 %
Kardiomyopathien 44 %
Retransplantation 3 %
Klappenvitien 4 %
kongenitale Vitien 1 %
sonstige Ursachen 2 %
absolute Kontraindikationen:
- fixiert erhöhter Lungengefäßwiderstand
- chronische Infektionskrankheiten
- bösartige Tumoren
- Antikörper gegen das Transplantat
- Drogen- bzw. Alkoholabhängigkeit
relative Kontraindikationen
- fortgeschrittene Atherosklerose
- insulinpflichtiger Diabetes mellitus
- Ulkusleiden
- Leber- bzw. Nierenschädigung
- psychosoziale Instabilität
- Alter über 70 Jahre
- Operationsrisiko höher als der zu erwartende Nutzen
Maßnahmen vor dem Eingriff:
- Koronarangiographie
- Echokardiographie und Echo-Doppler-Untersuchung
- medikamentöse Behandlung der Herzinsuffizienz;
evtl. mechanische Herzunterstützung
- Untersuchung der hirnversorgenden Blutgefäße
- Serologische Untersuchungen zum Ausschluß von Infektionen
- Beseitigung von temporären Kontraindikationen, infektiösen Herden (intensive Fokussuche !) und / oder anderen therapierbaren Begleiterkrankungen)
- Psychosoziale Vorbereitung, Sicherstellung der Erreichbarkeit und regelmäßige Kontrolle der gelisteten Patienten
- Perioperative Antibiotika-Prophylaxe (beginnend vor Operationsbeginn bis zur Entlassung aus der stationären Behandlung) z. B. mit Imipenem
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Bestimmmung kardialer Markerproteine (CK, CK-MB, Troponin T)
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
Ergebnisse:
- Perioperative Letalität: 5 - 10 %
Fünfjahresüberlebensrate: 60 75 %
Nachbehandlung:
- Immunsuppressive Therapie
a) via Bindung an Immunophiline (Cyclosporin A, FK-506, Rapamycin)
b) via Bindung an T-Zell-Rezeptoren (ALG / ATG, OKT3, Anti-IL-2-R)
c) via Hemmung der DNA-Synthese (Azathioprin, Cyclophosphamid)
d) via Hemmung der Phospholipase A2 (Glukokortikoide, z.B. Prednisolon)
- Diagnostik der Abstoßungsreaktion:
EKG, UKG, Myokardbiopsie
- Spezieller Infektionsschutz (Breitspektrumantibiotika, z.B. Imipenem)
- Laborkontrollen (Nieren- und Leberwerte, Blutbild) sowie Bestimmung der Serumspiegel immunsuppressiver Pharmaka
- Entlassung innerhalb von etwa 4 Wochen bei unkompliziertem Verlauf;
verlängerter Krankenhausaufenthalt bei prä- und postoperativen Komplikationen
- Anschlußheilbehandlung, Rehabilitationsmaßnahmen
- Regelmäßige Nachkontrollen (z.B. in Transplantationsambulanz; jährliche Koronarangiographie routinemäßig)
Leitlinien zur chirurgischen Therapie von Herztumoren
Definition / Ätiologie:
Primäre Tumoren
des Herzens und des Perikards sind sehr selten (Inzidenz: 0,002 % bis 0,02 % im autoptischen Krankengut). Etwa drei Viertel aller Herztumoren sind gutartig, wobei das Myxom mit etwa 25 % bezogen auf alle primären Herztumoren den häufigsten Tumortyp überhaupt darstellt. 95 % aller Myxome wiederum sind im Vorhof lokalisiert, 75 % davon im linken Atrium. Ein Viertel der primären Herztumoren erweisen sich als bösartig, wovon Sarkome mit etwa 17 % bezogen auf alle primären Herztumoren (75 % von allen kardialen Malignomen) den größten Anteil ausmachen.
Faßt man unter dem Begriff sekundärer Herztumoren alle Fälle mit Fernmetastasen im Myokard, Kontinuitätseinbrüche von extrakardialen Primärtumoren sowie Metastasen benachbarter Organe zusammen, so finden sich bei 10 % bis 30 % aller an Malignomen Verstorbenen kardiale Metastasen, d.h. Metastasen im Herz sind etwa 20 bis 40 mal häufiger als primäre Herztumoren selbst. Relativ gesehen ist die Inzidenz kardialer Metastasen (im Vergleich zu anderen Organen) jedoch gering. Meist stellen kardiale Tochtergeschwülste nur einen Teil einer weitgestreuten Metastasenabsiedlung dar. Die häufigsten Primätumoren für kardiale Metastasen sind das maligne Melanom (30 65 %), das maligne Lymphom (13 35 %), das Mammakarzinom (25 33 %) sowie das Lungenkarzinom (21- 37 %).
Die klinische Symptomatik von kardialen Raumforderungen resultiert aus Obstruktion (Belastungsdyspnoe, Synkopen, Myokardinsuffizienz), lokaler Irritation (Rhythmusstörungen), Embolisation (zerebral, pulmonal, peripher) oder systemischen Begleiterscheinungen (Fieber, Gewichtsverlust, Hautexanthem).
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Echokardiographie
- Computertomographie
- MNR-Tomographie
- Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiographie bei Männern über 40 Jahren und Frauen über 50 Jahren)
chirurgische Therapiemöglichkeiten:
- Vollständige Tumorresektion bei soliden, umschriebenen Tumoren (z.B. Myxom).
Verkleinerung der Tumormasse mit Beseitung von Obstruktion bei in das Myokard infiltrierenden Tumoren (z.B. Fibrom, Lipom, Hämangiom).
- Zusätzlich rekonstruierde Maßnahmen bei transmuraler Tumorausdehnung (Defektverschluß mittels Patch) bzw. bei Tumorbefall der Herzklappen (prothetischer Herzklappenersatz), der Koronararterien (aortokoronaer Bypass) oder des Reizleitungssystems (Schrittmacherimplantation).
- Die chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten hängen wesentlich von Lokalisation und Ausdehnung des Tumors ab.
Indikationen:
- solide, umschriebene primäre Herztumoren
- obstruierende Raumforderungen
- Embolisierungsrisiko
relative Kontraindikationen:
- schweres, generalisiertes Tumorleiden
- Operationsrisiko höher als der zu erwartende Nutzen
Maßnahmen vor dem Eingriff:
- Suche nach Primärtumor bzw. Tumormetastasen;
ggf. onkologische Konsultation
- Koronarangiographie (Männer über 40 Jahre, Frauen über 50 Jahre)
- Echokardiographie und Echo-Doppler-Untersuchung
- Erforderlichenfalls medikamentöse Behandlung der Herzinsuffizienz
- Untersuchung der hirnversorgenden Blutgefäße
Maßnahmen während des Eingriffs:
- Minimalisierung aller Manipulationen am Herzen zur Vermeidung einer Tumorfragmentierung (Emboliegefahr).;
Vermeidung einer Embolisation von Tumorfragmenten oder Detritus
- möglichst en-bloc-resection des Tumors, ansonsten weitestmögliche Reduktion der Tumorgröße
- Arrhythmie-Monitoring
- Myokardprotektion
- Perioperative Antibiotika-Prophylaxe (beginnend vor Operationsbeginn bis zum ersten postoperativen Tag in Intervallen von acht Stunden), z. B. mit Cefazolin oder Cefuroxim
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
Ergebnisse:
- Nach vollständiger Resektion gutartiger Herztumoren ist die Langzeitprognose bei minimaler Rezidivrate sehr gut.
- Die Langzeitprognose nicht vollständig resezierbarer benigner Herztumoren (z.B.: Lipom, Fibrom, Hämangiom) kann durch schwer therapierbare Arrhythmien beeinflußt werden.
- Die Behandlungsergebnisse maligner primärer Herztumoren sind äußerst schlecht; auch unter aggressivem chirurgischen, radio- und chemotherapeutischen Vorgehen versterben die Patienten häufig infolge Rezidiv oder Metastasierung, selbst wenn zuvor eine vollständige Entfernung des kardialen Primärtumors durchgeführt worden war.
- Die Prognose sekundärer Herztumoren wird in der Regel durch den malignen Primärtumor bestimmt und muß bei der im allgemeinen vorliegenden generalisierten Tumorstreuung ebenfalls als ungünstig eingestuft werden.
Nachbehandlung:
- Evtl. adjuvante Radio- und / oder Chemotherapie
- Entlassung innerhalb von etwa 2 Wochen bei unkompliziertem Verlauf;
verlängerter Krankenhausaufenthalt bei prä- und postoperativen Komplikationen
- Anschlußheilbehandlung, Rehabilitationsmaßnahmen
- Regelmäßige kardiologische Nachuntersuchung unter Einbeziehung bildgebener Verfahren (Echokardigraphie, Comoputertomgraphie)
- Leitlinien zur chirurgischen Therapie bei Endokarditis
Definition/Ätiologie:
Bei der bakteriellen Endokarditis liegt eine mikrobielle Infektion der endothelialen Oberfläche des Herzens vor. Charakteristisch hierfür sind Vegetationen, d.h. Auflagerungen, die aus Thrombozyten, Fibrin, inflammatorischen Zellen sowie Zelldetritus bestehen. Meist sind die Herzklappen in den entzündlichen Prozeß einbezogen. Die akute Endokarditis wird meist durch Staphylokokkus aureus hervorgerufen, wohingegen für die subakute Verlaufsform meist Streptokokken, Enterokokken oder koagulase-negative Staphylokokken verantwortlich sind. Als prädisponierende Faktoren für eine Endokarditis sind die rheumatische Herzerkrankung, angeborene Herzfehler (bes. zyanotische Vitien, Coarctatio aortae) sowie Erkrankungen der Herzklappen zu nennen; parenteraler Drogenabusus geht sogar mit einem - im Vergleich zu den vorgenannten Patientengruppen - 5 fach höheren Risiko einher.
Prothesenendokarditiden sind seltene (3 5 % aller Patienten mit Z.n. prothetischem Herzklappenersatz), jedoch sehr schwere Krankheitsbilder, die letztendlich auf eine Bakteriämie zurückzuführen sind. Bei einem Auftreten innerhalb von 3 6 Monaten nach der Prothesenimplantation kann ein Zusammenhang zur Herzoperation bestehen, wobei das Risiko bis zu 6 Wochen nach Implantation am höchsten ist. Häufig ist in solchen Fällen ein Staphylokokkus epidermidis für die Endokarditis verantwortlich.
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- (transösophageale) Echokardiographie zum Nachweis von Vegetationen
- Lävokardiographie, Aortographie (zusätzlich: Koronarangiographie)
- Erregernachweis in Blutkulturen, Entzündungsparameter im Serum
Diagnosen:
- Aortenklappenstenose, - insuffizienz
- Mitralklappenstenose, - insuffizienz
- Trikuspidalklappenstenose, -insuffizienz
- Prothesenendokarditis (entzündliche Auflagerungen auf Klappenprothese)
- Nachweis flottierender Klappen-Vegetationen ohne Zeichen einer bedeutsamen Insuffizienz oder Stenose und ohne abgelaufene Embolie (nach ausreichender Antibiose)
chirurgische Therapiemöglichkeiten:
(Rekonstruktive bzw. Klappen erhaltende Maßnahmen sind aufgrund des vorliegenden Entzündungsprozesses in der Regel nur in Einzelfällen möglich)
- prothetischer Klappenersatz
- Ausgedehntes Debridement von Vegetationen
- Ausräumung intramyokardialer Abszesse
Indikationen:
- Infektion einer Herzklappe oder einer Klappenprothese, die zur Stenose oder Insuffizienz führt, ohne Möglichkeit einer suffizienten Antibiotikatherapie
- Rezidivierende systemische Embolisation ausgehend von einer entzündeten Klappe oder Klappenprothese (trotz adäquater antibiotischer Therapie)
- Schwere Klappeninsuffizienz mit ausgeprägter hämodynamisch - funktioneller Wirksamkeit, so daß ein Abwarten bis zur Abheilung der Entzündung unter antibiotischer Therapie nicht möglich erscheint
- Progrediente Verschlechterung der kardiozirkulatorischen Situation aufgrund voranschreitender Klappeninsuffizienz und / oder Herzmuskelinsuffizienz
- Entwicklung von Herzrhythmusstörungen
- Flottierende Klappen-Vegetationen, auch ohne Zeichen einer bedeutsamen Insuffizienz oder Stenose und ohne abgelaufene Embolie (nach ausreichender Antibiose)
relative Kontraindikationen:
- chronische oder maligne Erkrankungen, die einen Gewinn des Patienten aus dem Klappenersatz unwahrscheinlich erscheinen lassen
- Operationsrisiko höher als der zu erwartende Nutzen
Maßnahmen vor dem Eingriff:
- Therapie bzw. Sanierung des Entzündungsherdes;
systemische, hochdosierte Antibiotikatherapie, möglichst nach Antibiographie
- Wiederholtes Echokardiographie zur Beurteilung der Myokardfunktion
(Klappenersatz sollte vor deutlicher Verschlechterung der Myokardfunktion erfolgen)
- Ggf. Therapie des kongestiven Herzversagens
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Behandlung von Herzrhythmusstörungen
- Untersuchung der hirnversorgenden Blutgefäße
- Koronarangiographie bei Männern über 40 Jahren und bei Frauen über 50 Jahren sowie bei allen Patienten mit Hinweisen auf eine koronare Herzerkrankung (Anamnese, EKG) bzw. Koronaranomalien
Maßnahmen während des Eingriffs:
- Asservierung von explantiertem Klappenmaterial sowie Entnahme von Abstrichen für mikrobiologische Untersuchung
- Überprüfung der Prothesen- bzw. Klappenfunktion (mittels transösophagealer Echokardiographie)
- Myokardprotektion
- Vermeidung einer Embolisation von Kalk oder Detritus
- Arrhythmie-Monitoring
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Antibiotikatherapie entsprechend des Antibiogramms für 8 12 Wochen
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Bestimmmung kardialer Markerproteine (CK, CK-MB, Troponin T)
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
- frühzeitige Antikoagulation (mit Heparin)
Ergebnisse:
- Während die 30-Tages-Letalität bei etwa 10 % liegt, leben 75 % der Patienten noch nach einem Jahr und 65 % bzw. 50% nach 5 bzw. 10 Jahren.
- Die Prothesenendokarditis stellt stets ein sehr schweres Krankheitsbild dar und führt in etwa 20 30 % der Fälle frühpostoperativ zum Tod.
Nachbehandlung:
- Fortsetzung der Antibiotikatherapie für etwa 6 bis 8 Wochen
- Verlaufskontrolle von Entzündungsparametern im Serum
- medikamentöse Therapie mit Antikoagulantien bei mechanischem Klappenimplantat oder Thrombozytenaggregationshemmern bei Bioprothesen
- Entlassung innerhalb von etwa 2 Wochen bei unkompliziertem Verlauf;
verlängerter Krankenhausaufenthalt bei prä- und postoperativen Komplikationen
- ggf. Suche nach (weiteren) Entzündungsherden
- Anschlußheilbehandlung, Rehabilitationsmaßnahmen
Leitlinien zur chirurgischen Therapie bei Perikarditis
Definition/Ätiologie:
Die konstriktive Perikarditis stellt einen chronisch entzündlichen Prozeß dar, in den sowohl die fibröse, als auch die seröse Schicht des Perikards einbezogen sind. Eine ätiologische Zuordnung ist bei etwa einem Drittel der Fälle möglich, wobei tuberkulöse, toxische und bakterielle Ursachen im Vordergrund stehen; in geringerem Ausmaß liegen neoplastische Erkrankungen zugrunde. Diese Veränderungen führen zu einer Perikardverdickung und letztlich zu einer Kompression der Herzhöhlen und Einflußbehinderung an Hohlvenen- und Lungenvenenmündungen. Etwa 2/3 der chronischen Perikarditiden sind kalzifizierender (Pericarditis constrictiva calcarea), etwa 1/3 nicht kalzifizierender Natur (Pericarditis constrictiva noncalcarea). Die daraus resultierende Behinderung der diastolischen Füllungsphase bewirkt eine Einschränkung der kardialen Funktion.
Möglichkeiten der Diagnosestellung:
- Röntgen-Thorax - Aufnahme
- (transösophageale) Echokardiographie
- Rechts- bzw. Linksherzkatheteruntersuchung mit Druckmessung und Ventrikelangiographie (charakteristisch: erhöhte enddiastolische Druckwerte im rechten und linken Vorhof sowie in der Pulmonalarterie)
- Computertomographie
- NMR-Tomographie
Diagnosen:
- kalzifizierende Pericarditis constrictiva
- nicht-kalzifizierende Pericarditis constrictiva
chirurgische Therapiemöglichkeiten:
- partielle bzw. komplette Perikardresektion zur Entfesselung der Ventrikel in ihrer Gesamtheit, um eine möglichst unbehinderte diastolische Entfaltung zu ermöglichen
Indikationen:
Operationsindikation ist bei Diagnose der Erkrankung gegeben (unter Berücksichtigung des präoperativen NYHA-Stadiums)
relative Kontraindikationen:
- Zustand nach Mediastinalbestrahlung und nachfolgender Perikarditis (wegen schlechter Langzeitergebnisse)
- Schwere Herzinsuffizienz (NYHA IV) infolge Myokardschädigung
- chronische oder maligne Erkrankungen, die einen Gewinn des Patienten aus dem Klappenersatz unwahrscheinlich erscheinen lassen
- Operationsrisiko höher als der zu erwartende Nutzen
Maßnahmen vor dem Eingriff:
- Ggf. Therapie des kongestiven Herzversagens
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Behandlung von Herzrhythmusstörungen
- Untersuchung der hirnversorgenden Blutgefäße
- Koronarangiographie bei Männern über 40 Jahren und bei Frauen über 50 Jahren sowie bei allen Patienten mit Hinweisen auf eine koronare Herzerkrankung (Anamnese, EKG) bzw. Koronaranomalien
Maßnahmen während des Eingriffs:
- Vermeidung von Herzmuskelfunktionsstörungen
- Arrhythmie-Monitoring
- Myokardprotektion (bei Verwendung der Herz-Lungen-Maschine)
Maßnahmen nach dem Eingriff:
- Antibiotikatherapie entsprechend des Antibiogramms
- Arrhythmie-Monitoring; erforderlichenfalls: antiarrhythmische Therapie
- Überwachung des Blutverlustes und der Blutgerinnung
- Bestimmmung kardialer Markerproteine (CK, CK-MB, Troponin T)
- Kreislaufmonitoring; evtl. kardiozirkulatorische Unterstützung
- Exakte Volumen- und Flüssigkeitsbilanzierung
- adäquate Beatmungstherapie (unter Beachtung kardiozirkulatorischer Effekte)
- Überwachung der Funktion von Nieren und Gastro-Intestinaltrakt
- Behandlung von pulmonalen, renalen oder hepatischen Funktions-einschränkungen
- Überwachung des neurologischen Status unter Beachtung analgetischer und zentral wirksamer Pharmaka
- frühzeitige Antikoagulation (mit Heparin)
Ergebnisse:
- Die perioperative Letalität von etwa 5 % beruht auf einem progredienten Herzversagen (häufig infolge Dilatation des Herzens). Nach 5 Jahren überleben 90 % und nach 20 Jahren 75 % aller operierten Patienten, wobei das Vorliegen einer kalzifizierenden oder nicht kalzifizierenden Form ohne prognostische Relevanz bleibt.
- Neoplastisch bedingte Perikarditiden sowie präoperative Herzinsuffizienz im Stadium NYHA IV beeinflussen die Langzeitprognose negativ.
Nachbehandlung:
- medikamentöse Therapie mit Antikoagulantien oder Thrombozytenaggregations-hemmern
- Entlassung innerhalb von etwa 2 Wochen bei unkompliziertem Verlauf;
verlängerter Krankenhausaufenthalt bei prä- und postoperativen Komplikationen
- ggf. Suche nach (weiteren) Entzündungsherden
- Anschlußheilbehandlung, Rehabilitationsmaßnahmen
- Leitlinien zur Thromboseprophylaxe
(Vgl. "Leitlinien zur stationären und ambulanten Thrombembolieprophylaxe in der Chirurgie" der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie)
Definition / Ätiologie:
Bei jedem operierten und länger immobilisierten Patienten besteht grundsätzlich ein Thromboserisiko. Insgesamt erscheint die Häufigkeit tiefer Beinvenenthrombosen in der Kardiochirurgie jedoch geringer als in anderen operativen Fachgebieten.
Häufigkeit von thrombembolischen Komplikationen (European Consensus Statement, 1992):
|
Thrombembolische |
Thrombembolierisiko |
|
Komplikationen |
niedrig |
mittelgradig |
hochgradig |
|
- distale Beinvenenthrombose |
< 10 % |
10 40 % |
40 80 % |
|
- proximale Thrombose |
< 1 % |
2 10 % |
10 30 % |
|
- tödliche Lungenembolie |
< 0,01 % |
0,1 0,7 % |
1 5 % |
- niedriges Risiko: kleinere, operative Eingriffe, kein zusätzliches dispositionelles Risiko
- mittleres Risiko: länger dauernde Operationen, niedriges operations- bzw. verletzungsbedingtes Risiko und zusätzlich dispositionelle Risiken
- hohes Risiko: größere Eingriffe oder entzündliche Erkrankungen, Polytrauma, Patienten mit Thrombosen und Lungenembolien in der Anamnese
Indikationen:
- präoperativ immobilisierte Patienten
- postoperativ noch nicht mobilisierbare Patienten
- dispositionelle Risikofaktoren (z.B. Anamnese bezüglich früherer spontanter Thrombosen und Lungenembolien)
Grundätze der Thrombembolie-Prophylaxe:
Ziel der Thrombembolie-Prophylaxe ist es, venöse Thrombembolien prä- und postoperativ zu verhindern durch:
- Frühmobilisation
- physikalische Therapie
- Angepaßte Antithrombosestrümpfe (cave: periphere arterielle Verschluß-
krankheit)
- Medikamentöse Prophylaxe:
- unfraktioniertes Heparin
Die dreimal tägliche Gabe kleiner Dosen unfraktionierten Heparins (Low dose Heparin, 3 x 5000 IE / Tag) ist ein etabliertes Verfahren bei Patienten mit einem mittleren Thromboserisiko (Reduktion des Thromboserisikos von etwa 30 % auf 5 15 %). Bei Hochrisikopatienten ist eine aPTT-adjustierte Dosierung empfehlenswert.
- niedermolekulare Heparine
Niedermolekulare Präparate können die Thrombembolierate bei Hochrisikopatienten senken und sollten (unter Berücksichtigung präparatespezifischer Unterschiede) gewichtsadaptiert verabreicht werden.
- Vitamin-K-Antagonisten (z.B. Marcumar®)
- Hämodilution
Spezielle Arzneimittelwirkungen bei der Heparingabe:
Heparin - induzierte Thrombopenie (HIT)
Heparin induzierte Thrombopenien können in zwei Typen auftreten:
- HIT I
: Mäßiger Thrombozytenabfall (meist nicht unter 100.000 /΅l) bereits kurze Zeit nach Behandlungsbeginn (Häufigkeit: etwa 10 %).
- HIT II
: Häufig fulminanter Abfall der Thrombozytenzahlen (bis Werte unter 50.000 / ΅l) 5 bis 14 Tage nach Behandlungsbeginn. Ursache hierfür ist möglicherweise die Bildung von Antikörpern gegen ein multimolekulares Antigen, das aus Heparin und plättchenspezifischen Proteinen (Plättchenfaktor 4) gebildet wird und zur Plättchenaktivierung führt.
Verdacht auf HIT II, bei:
- Abfall der Thrombozytenzahlen um mehr als 50 % ohne erkennbaren Grund
- Auftreten entzündlicher Infiltrationen an den Heparin-Injektionsstellen
- Auftreten klinischer Thrombosezeichen trotz Prophylaxe
Vorgehen bei kardiochirurgischen Patienten mit HIT II:
- Ersatz von Heparin in der Herz-Lungen-Maschine durch Danaparoid oder Hirudin
- baldige Umstellung auf orale Antikoagulation (z.B. Marcumar®) nach dem Eingriff